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Hypothese
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GLP-1-Agonisten könnten Krebsrisiken senken

Viele sehen GLP-1-Agonisten als eine Art Allheilmittel, dessen Wirkprofil weit über die Kontrolle eines Typ-2-Diabetes und des Körpergewichts hinausreicht. In diese Richtung weist jetzt auch ein aktueller Artikel, in dem aufgezeigt wird, dass GLP-1-Agonisten auch vor Krebs schützen könnten.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 19.01.2026  15:30 Uhr

In dem aktuellen Perspective-Artikel, der jetzt im Wissenschaftsmagazin »Nature Cancer« erschien, analysieren die Autoren Dr. Julian M. Yabut und Professor Dr. Daniel J. Drucker vom Lunenfeld-Tanenbaum Research Institute am Mt. Sinai Hospital der University of Toronto umfassend den aktuellen Wissensstand zur Beziehung zwischen GLP-1-basierten Medikamenten und der Krebsentstehung sowie der Tumorprogression. Drucker war ganz maßgeblich an der Entwicklung der GLP-1-Agonisten beteilig.

Ausgangspunkt des Übersichtsartikels ist die gut belegte epidemiologische Evidenz, dass Adipositas und Typ-2-Diabetes das Risiko zahlreicher Tumorentitäten erhöhen. Beide Krankheitsbilder sind durch Hyperinsulinämie, chronisch niedrig gradige Entzündung, veränderte Adipokin-Profile und durch eine pro-onkogene metabolische Umgebung gekennzeichnet, was nahelegt, zu untersuchen, ob moderne Stoffwechseltherapien, die Gewicht, Glucosestoffwechsel und Inflammation nachhaltig verbessern, auch das Krebsrisiko beeinflussen könnten.

Tatsächlich deuten die Ergebnisse etlicher Register- und Kohortenstudien an, dass die eingesetzten GLP-1-Medikamente nicht nur die glykämische Kontrolle verbessern, einen ausgeprägten Gewichtsverlust induzieren und systemische Entzündungsprozesse reduzieren, sondern auch zur Reduktion der Inzidenz Adipositas-assoziierter Krebserkrankungen beizutragen scheinen.

Zahlreiche Krebsarten assoziiert

Zudem liefern retrospektiven Analysen aus Versorgungsdatenbanken Hinweise, dass bei Typ-2-Diabetikern, die mit GLP-1-Agonisten statt mit Insulin oder anderen Antidiabetika behandelt werden, niedrigere Raten unter anderem von Darm- und Magenkrebs, Leberkrebs, Gebärmutter- und Eierstockkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Lungenkrebs, Tumoren im Bereich der Speiseröhre sowie meningeale Tumoren beobachtet werden.

Gleichzeitig betonen die Autoren aber auch die Limitationen dieser Daten. Denn geringe absolute Ereigniszahlen könnten einen Detektions- und Selektionsbias provozieren, da Informationen zur Therapiedauer, zur Adhärenz und zum tatsächlichen Gewichtsverlust oft unzureichend sind und randomisierte Endpunktstudien mit Krebsinzidenz als primärem Outcome fehlen.

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