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Hypothese
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GLP-1-Agonisten könnten Krebsrisiken senken

Viele sehen GLP-1-Agonisten als eine Art Allheilmittel, dessen Wirkprofil weit über die Kontrolle eines Typ-2-Diabetes und des Körpergewichts hinausreicht. In diese Richtung weist jetzt auch ein aktueller Artikel, in dem aufgezeigt wird, dass GLP-1-Agonisten auch vor Krebs schützen könnten.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 19.01.2026  15:30 Uhr

Sind es die Medikamente oder der Gewichtsverlust?

Zudem bleibt auch festzuhalten, dass Gewichtsreduktion durch bariatrische Chirurgie oder Lebensstilintervention ebenfalls das Risiko für Adipositas‑assoziierte Tumoren in Kohorten und randomisierten Studien zu senken scheint, was die Frage aufwirft, ob nicht die pharmakologisch induzierte Gewichtsabnahme den onkologischen Effekt entfaltet.

Ein zentrales Thema des Artikels ist die Unterscheidung zwischen indirekten, gewichtsabhängigen Effekten und möglichen direkten, gewichtsunabhängigen Wirkungen von GLP-1-Signalen auf Tumoren. Hinweise auf direkte, gewichtsunabhängige Wirkungen liefern vor allem auch präklinische Modelle. Denn GLP-1- und GIP-Rezeptoren werden in einer Vielzahl normaler und neoplastischer Gewebe exprimiert, darunter neuroendokrine Tumoren, bestimmte Hirntumoren, Brust-, Prostata-, gastrointestinale sowie pankreatische Neoplasien.

In Zellkultur- und Tiermodellen wurden sowohl proliferationshemmende als auch proliferationsfördernde Effekte beschrieben, abhängig von der Tumorentität, der Rezeptorexpression, der Ligandenkonzentration und dem experimentellen Design. Hinzu kommt, dass die methodische Erfassung von GLP-1- und GIP-Rezeptoren technisch anspruchsvoll ist und dass viele frühere Arbeiten auf unzureichend validierten Antikörpern beruhen, was die Interpretation erschwert.

Der Blick auf die Tumormikroumgebung

Besonders innovativ ist die Diskussion der Tumormikroumgebung (TME). GLP-1-Medikamente könnten potenziell nicht nur Tumorzellen direkt beeinflussen. Zusätzlich könnten auch Immunzellen, Endothel, Nährstoffverfügbarkeit und inflammatorische Signalwege moduliert werden.

Darauf deuten präklinische Daten hin, die eine veränderte Infiltration von T-Zell-Subpopulationen, eine Reduktion myeloider suppressiver Zellen sowie eine Verschiebung hin zu einer antitumoralen Immunantwort zeigen. Zusätzlich könnten zentrale neuronale Effekte von GLP-1-Signalen systemische Entzündungsreaktionen dämpfen und so indirekt das Tumorwachstum beeinflussen. Inwieweit diese Daten klinische Relevanz besitzen und ob sie unabhängig vom Gewichtsverlust wirken, bleibt allerdings noch zu zeigen.

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