| Jennifer Evans |
| 14.10.2026 07:00 Uhr |
Mumien per Post: Die teilweise illegalen Online-Geschäfte alarmieren Forschende. Nicht alle Überreste sind so sicher gelagert wie diese Kindermumie im Museum von Aksaray, Türkei. / © Shutterstock/Bilal Kocabas
Im Netz lässt sich fast alles handeln, versteigern und bestellen – auch konservierte menschliche und tierische Überreste. Kein Wunder, denn die Mumifizierung fasziniert Menschen und Wissenschaft seit jeher. Die Objekte bieten Einblicke in alte Kulturen, Medizingeschichte, Gesundheit und Krankheit sowie Bestattungsbräuche.
Doch Forschende schlagen nun Alarm, dass der Online-Handel mit Mumien nicht nur ethische und rechtliche Fragen aufwirft, sondern auch Gesundheitsgefahren birgt. Das hatte ihre Analyse von insgesamt 128 Angeboten auf E-Commerce-Plattformen, Webshops, Auktionsseiten und Meta-Plattformen ergeben. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift »International Journal of Cultural Property« publiziert.
Schon anhand der Fotos hätten viele der angebotenen Objekte Anzeichen biologischen Verfalls aufgewiesen, heißt es. Fast immer fehlten zudem Hinweise zur sicheren Handhabung oder Lagerung der Materialien. Sie können nämlich Rückstände von toxisch wirkenden Einbalsamierungsmitteln mit Schwermetallen wie Arsen, Quecksilber oder Blei enthalten sowie organische Verbindungen mit antimikrobiellen und pigmentierenden Eigenschaften.
Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze oder Hefen können jahrhundertelang in Geweben ruhen und unter ungünstigen Lagerbedingungen die Körper erneut besiedeln und sich vermehren. Wer also solche Überreste ohne Schutzausrüstung anfasst oder aufstellt, setzt sich chemischen und biologischen Gefahren aus, warnt das Autorenteam um Dr. Kirsty Squires, Professorin für Gesundheit, Bildung, Polizeiarbeit und Naturwissenschaften an der Universität Staffordshire.
Die Auswirkungen des Kontakts mit den vermeintlichen Sammlerstücken können vielfältig sein. Sie reichen demnach von Entzündungen der Atemwege, Infektionen und Fieber über Hautveränderungen, Krebs oder Organschäden. Auch können sie neurologische Auswirkungen oder Sehstörungen verursachen. Darüber hinaus listen die Forschenden in ihrer Studie Magen-Darm-Beschwerden, Herz-Kreislaufprobleme sowie Leber- und Nierenschäden als Folgen auf.
Während eine persönliche Schutzausrüstung (PSA) in Museen, Forschungseinrichtungen oder in der Forensik Standard ist, fehlt Onlinehändlern und Empfängern oft das Bewusstsein für die Gefahren. Ganz nach dem Motto: Der Käufer trägt das Risiko. Die Forschenden kritisieren, dass der Fokus meist auf der Einzigartigkeit des Exemplars liege – Sicherheitshinweise aber selten eine Rolle spielten. Außerdem deutete vieles darauf hin, dass die Shops Versand-, Zoll- oder Transportvorschriften für menschliche Überreste nicht einhalten.
Der unkontrollierte Handel mit solchen Materialien gefährde sowohl die Lebenden als auch die Toten, heißt es in der Publikation. Damit seien nicht nur archäologische Zeugnisse in Gefahr, sondern auch die öffentliche Gesundheit. Die Versäumnisse beträfen neben Käufern und Verkäufern jeden mit einem geschwächten Immunsystem, der mit solchen Sendungen in Kontakt komme. Das Autorenteam hält daher strengere Kontrollen, Versandregeln und mehr Aufklärung für unerlässlich.