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Studie mit Hochbetagten

Gesund altern ist möglich!

Alter ist nicht gleich Krankheit. Auch in der zehnten Lebensdekade können Menschen subjektiv gesund und mit Lebensfreude leben. Ein starker Wille hilft ihnen dabei.
Brigitte M. Gensthaler
27.03.2019
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»Das Bild vom Alter ist das schädlichste und das nützlichste Medikament, das Sie älteren Menschen vermitteln können.« Das gab Professor Dr. Frieder Lang, Direktor des Instituts für Psychogerontologie von der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg den Apothekern beim WIPIG-Fortbildungstag in München mit auf den Weg. Der Psychologe und Altersforscher räumte mit weitverbreiteten Fehlmeinungen auf.

Bedeutet ein längeres Leben mehr Jahre in Krankheit? Ja, aber noch mehr gesunde Jahre. »Von drei gewonnenen Jahren sind zwei gut und eines mit einer chronischen Erkrankung belastet.« Das Wohlergehen im Alter nehme seit Jahren zu: Das zeige sich in besserer kognitiver Leistung, mehr Wohlbefinden, häufigeren positiven und selteneren negativen Gefühlen. Auch die Klage über zunehmende Demenzerkrankungen stimme nicht. Das Risiko steige zwar mit dem Alter; insgesamt sinke es aber seit Jahren– auch bei hochaltrigen Menschen.

Wird jeder dement, wenn er nur lang genug lebt? Nein, sagt der Altersforscher. »Weniger als die Hälfte der Menschen wird dement – egal welche Altersgruppen man betrachtet.« Die beste Prävention sei die soziale Einbindung. »Soziale Faktoren sind erfolgreicher als jedes Medikament und jede andere Intervention!«

Leben in der zehnten Dekade

Lang beschreibt das Altern als eine besondere Lebensphase, die gekennzeichnet sei von Furcht und viel Hoffnung. In der Altersforschung differenziere man zwischen krankhaftem und gesundem Altern. Beides bestehe meist parallel.

Den gesunden Alten widmete sich die FAU-Studie »Leben in der zehnten Dekade«. 2017 wurden 125 zu Hause lebende, nicht pflegebedürftige Menschen zwischen 90 und 100 Jahren einmal und nach rund 15 Monaten erneut (87 Personen) befragt. Lang stellte beim WIPIG-Tag Ergebnisse vor. Viele Hochaltrige seien gesundheitlich stark belastet: Drei Viertel hatten mehr als fünf Diagnosen, vor allem Erkrankungen am Herz-Kreislauf-System und am Bewegungsapparat sowie Tumoren. Jedoch hatten nur 50 Prozent fünf oder mehr Medikamente, am häufigsten Antihypertonika, Antikoagulanzien, Analgetika, Magenschutzmittel und Cholesterolsenker, berichtete der Altersforscher.

Trotz Krankheit war der Lebenswille groß. »Im Durchschnitt fühlten sich die Befragten ziemlich gesund. Fast die Hälfte war völlig zufrieden mit ihrem Leben.« Dies sei ein sehr hoher Anteil. Deutlich mehr als die Hälfte der Hochbetagten möchte weitere Jahre leben; ein Viertel aber nur, solange sie gesund sind. Die meisten fühlten sich deutlich jünger als sie tatsächlich sind. Auch zu Fragen nach sozialer Teilhabe, guten Beziehungen zu Angehörigen und Freunden und guter Nachbarschaft gab es sehr hohe Zustimmung. Zwei Drittel waren in den vorangegangenen zwölf Monaten nicht stationär im Krankenhaus.

Zur Lebenszufriedenheit hilft offenbar ein starker Wille. Zwei Drittel beschrieben sich als sehr willensstark. »Auch multimorbide hochbetagte Menschen können Lebensfreude und Willenskraft zeigen«, resümiert Lang die Untersuchung.

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