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Studie

Gerinnnungshemmer nach Hirnblutung nicht absetzen

Erleidet ein Patient unter gerinnungshemmender Therapie eine Hirnblutung, stellt sich die Frage, ob die Therapie danach fortgesetzt werden soll oder nicht. Der Nutzen einer Minderung des Risikos für einen ischämischen Schlaganfall ist gegenüber dem Risiko für eine erneute Hirnblutung abzuwägen. Einer im Fachjournal »The Lancet« veröffentlichten Studie zufolge ist ein Fortführen der Antikoagulation sicher.
Kerstin A. Gräfe
27.05.2019
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Thrombozytenaggregationshemmer und Antikoagulanzien werden heutzutage sehr erfolgreich zur Prophylaxe und Therapie von Schlaganfällen eingesetzt. Eine gefürchtete Nebenwirkung der auch als Blutverdünner bezeichneten Arzneimittel ist aber das Auftreten von Hirnblutungen.

Kommt es zu einer Hirnblutung, muss die Antikoagulation abgesetzt werden. Dadurch erhöht sich allerdings für den Patienten wieder das Risiko, einen Herzinfarkt oder ischämischen Schlaganfall zu erleiden, weswegen die Therapie ja ursprünglich eingeleitet wurde. Insofern sollte sie wiederaufgenommen werden, sobald sich der Patient von der Hirnblutung erholt haben. In der Praxis ist man damit aber eher zurückhaltend, da man fürchtet, eine erneute Hirnblutung auszulösen.

Ob diese Befürchtung begründet ist, untersuchten Forscher um Professor Dr. Rustam Al-Shahi Salman von der Universität Edinburgh jetzt in der RESTART-Studie. Sie rekrutierten dafür in den Jahren 2013 bis 2015 erwachsene Patienten, die unter der Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern oder Antikoagulanzien eine Hirnblutung erlitten hatten. Insgesamt konnten die Forscher 537 Probanden ausfindig machen. Diese randomisierten sie auf ein Fortführen der blutverdünnenden Therapie (n = 268) oder auf eine Nichtwiederaufnahme (n = 269).

In der Gruppe, die die Therapie wiederaufgenommen hatte, erlitten innerhalb von durchschnittlich zwei Jahren zwölf Patienten (4 Prozent) eine erneute Hirnblutung; in der Kontrollgruppe waren es 23 Patienten (9 Prozent). Auch andere hämorrhagische Ereignisse wie gastrointestinale Blutungen traten in der Verum-Gruppe mit 18 gegenüber 25 Ereignissen in der Kontrollgruppe seltener auf. Beide Ergebnisse waren aber nicht signifikant. Anders sah dies bei den schweren vaskulären Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herz-Kreislauf-Tod aus: Hier konnte die antithrombotische Therapie die Rate um 35 Prozent und damit signifikant senken.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Die gerinnungshemmende Therapie tut auch nach einer stattgehabten Hirnblutung, was sie soll – nämlich Schlaganfälle und Herzinfarkte verhindern –, ohne dabei aber das Risiko für eine erneute Hirnblutung zu erhöhen. Um aber wirklich aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, müssen Studien mit einer deutlich größeren Probandenzahl folgen.

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