| Brigitte M. Gensthaler |
| 08.05.2026 17:30 Uhr |
Bei der Delegiertenversammlung der Bayerischen Landesapothekerkammer wurden viele aktuelle Themen besprochen. / © PZ/Gensthaler
»Wir sind nicht bereit, eine Schwächung des Berufsstands hinzunehmen«, leitete Scharpf ihren Bericht in der Delegiertenversammlung der Bayerischen Landesapothekerkammer am 8. Mai in München ein. Jetzt gehe es um die Frage, wie eine flächendeckende, qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung gesichert werden könne – bei steigendem finanziellem Druck im System.
Sie verwies auf viele Aktionen und Gespräche, Kampagnen – auch in sozialen Medien – und eine intensive berufspolitische Arbeit der letzten Monate. Entscheidend sei es, dass der Berufsstand geschlossen sei und gemeinsam Engagement, Zusammenhalt und Verlässlichkeit betone. »Unsere Stimme wird nur gehört, wenn wir gemeinsam auftreten.«
Als Hauptthemen nannte Scharpf die Sicherung der wortortnahen Arzneimittelversorgung, die Zukunft der Vor-Ort-Apotheke und die Abwehr einer Vertretungsbefugnis für PTA. Im Schulterschluss mit der Ärzteschaft trete man für den Erhalt des freien akademischen Heilberufs ein. Im Austausch mit Institutionen und Universitäten – hier nannte sie das Forum »Campus meets Kammer« – gehe es um die Zukunft der Apotheke. »Die hängt weithin auch davon ab, wie wir Studierende und den Nachwuchs fördern und dass wir den freien Heilberuf erhalten können.«
Scharpf wiederholte die klare Botschaft des Protesttags von Kammer und Verband am 26. März am Odeonsplatz: »Struktur ist nicht verhandelbar«. Angesichts der strategischen Tragweite einer PTA-Vertretungsbefugnis habe man in Bayern eine eigene Kampagne gestartet, um diese Pläne aus dem ApoVWG zu streichen. Scharpf, selbst PTA und Apothekerin: »Die Verantwortung für die Apothekenleitung gehört in die Hand von Apothekerinnen und Apothekern.« Diese Botschaft sei in Bayern im Ministerium angekommen, versicherte sie.
In der anschließenden lebhaften Diskussion mit den Delegierten wandte sich Scharpf ebenso wie viele Kollegen klar gegen die PTA-Vertretung und wusste sich darin einig mit deren Berufsverband. Die ABDA habe ein Konzept zur Weiterqualifizierung der PTA vorgelegt, um den Beruf weiterzuentwickeln.
Angesichts neuer Geschäftsmodelle von Drogerieketten sei das umso wichtiger: »Eine Vertretungsbefugnis gefährdet unseren akademischen Frei- und Heilberuf. Diese Tür bekämen wir nie mehr zu«, sagte sie zu den geplanten Zweigapotheken und der PTA-Vertretungsbefugnis. Bezüglich der geplanten Zweigapothekenregelung klafften die Ansichten der Apothekerkammern und des Bundesgesundheitsministeriums klar auseinander. Tatsächlich seien Zweigbetriebe nur abgespeckte Apotheken, die beispielsweise keinen Nacht- und Notdienst leisten können. Damit sei auch das funktionierende Notdienstsystem der Apotheken gefährdet. Scharpf sprach von einem Einstieg in ein Zweiklassensystem.
Ein Delegierter brachte es auf den Punkt: »Die Erlaubnis von PTA-Vertretung plus Zweigapotheke erfüllt alle Träume von Drogeriemärkten« und das sei hochgradig strukturgefährdend. Überdies gefährdeten diese Regelungen eine krisenfeste Gesundheitsversorgung der Menschen, gab Scharpf zu bedenken. Denn Krisenresilienz setze klar auf kleinteilige Strukturen, die im Krisenfall Verantwortung übernehmen.
Über die Diskussion zum Fixum informierte Dr. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands. »Das schlechte Theaterstück geht weiter.«
Es gebe zwar mehrfache Zusagen aus dem Ministerium für die Fixumserhöhung auf 9,50 Euro, aber vielfältige mündliche Aussagen zur Umsetzung –wann und wie und in welcher Höhe die Anhebung kommen soll. »Die heiße Kartoffel wandert munter hin und her.« Hubmann zeigte sich sauer: »Das Vertrauen in eine verlässliche Politik wird derzeit extrem malträtiert und schwächt sich immer mehr ab. Es ist extrem frustran.«
Ebenfalls ein hitziges Thema in der Diskussion war der Versandhandel. Dieser wurde 2004 auch für rezeptpflichtige Arzneimittel zugelassen und sei somit rechtmäßig, betonte Hubmann. Nach 20 Jahren bestehenden Rechts sei dies kaum mehr zurückzudrehen. Das Dilemma: Das deutsche Arzneimittelrecht gelte für niederländische Versender nicht. Aufgrund verschiedener Rechtslagen seien die Versender nicht so kontrollierbar, wie der deutsche Berufsstand sich dies wünschen.
Mehrere Delegierten prangerten Gesetzesverstöße der Versandhändler an, sprachen von einem »perfiden Spiel um die politische Macht«, von unlauterem Wettbewerb und verletztem Patientenschutz und fragten, warum Gesetzesbrüche nicht mit Ausschluss von der Arzneimittelversorgung bestraft würden.
In der Versammlung stellte sich Franziska Erdle, Hauptgeschäftsführerin der ABDA, vor. Sie versicherte, dass das Thema Versandhandel und die rechtswidrigen Praktiken permanent thematisiert würden bei der Politik, die aber letztlich nicht ins Handeln komme. Man scheue offenbar die Marktmacht der Versender und ein europarechtliches Verfahren.
Nachdrücklich rief Erdle die Apothekerschaft auf, mit einer Stimme zu sprechen. Das solidarische Zusammenstehen sei immens wichtig, um Positionen politisch durchzusetzen. Wie schädlich eine Spaltung sei, zeige sich sehr deutlich in der Diskussion um die PTA-Vertretung. »Tragen Sie die Positionen der ABDA mit. Diese Einstimmigkeit sollten Sie pflegen.«