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Präklinik
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Gel gegen Hautkrebs?

Eine US-amerikanische Arbeitsgruppe hat einen MEK-Kinasehemmer zur topischen Anwendung entwickelt, der im Tierversuch die Entstehung UV-induzierter kutaner Plattenepithelkarzinome reduzieren konnte. Sie sieht in dem Kandidaten einen vielversprechenden, gut verträglichen Ansatz zur Chemoprävention.
AutorKontaktCarolin Lang
Datum 25.10.2023  07:00 Uhr

Das kutane Plattenepithelkarzinom (kPEK) ist nach dem Basalzellkarzinom die zweithäufigste Form von Hautkrebs. Es entwickelt sich häufig aus einer sogenannten präneoplastischen aktinischen Keratose (AK), die oft als rötliche, raue Stelle insbesondere an chronisch sonnenexponierten Hautarealen in Erscheinung tritt. »Die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten, um das Fortschreiten einer aktinischen Keratose zum kutanen Plattenepithelkarzinom zu verhindern, sind durch die Toxizität begrenzt, sodass neue Optionen erforderlich sind«, schreibt die Arbeitsgruppe vom Houston Lee Moffitt Cancer Center & Research Institute in Florida aktuell im Fachjournal »Science Translational Medicine«.

Daher hat sie NFX-179, einen topischen Inhibitor der Mitogen-aktivierten Proteinkinase-Kinase (MEK), entwickelt. Systemisch anzuwendende MEK-Inhibitoren sind bereits verfügbar, nämlich Binimetinib (Mektovi®), Cobimetinib (Cotellic®), Selumetinib (Koselugo®) und Trametinib (Mekinist®). Sie werden üblicherweise in Kombination mit anderen Hemmstoffen der RAS/RAF/MEK/ERK-Signalkaskade bei Tumoren eingesetzt, bei denen diese aufgrund von Mutationen überaktiv ist. Das kann etwa beim malignen Melanom der Fall sein.

Frühere Arbeiten hätten gezeigt, dass der MEK-Signalweg auch bei der Entwicklung von Plattenzellkarzinomen eine Rolle spielt, erklärt der Studienleiter Dr. Kenneth Tsai in einer Mitteilung des Forschungsinstituts. NFX-179 sei designt worden, um den Signalweg in der Haut selektiv zu unterdrücken, bevor der Wirkstoff im Blutkreislauf schnell abgebaut wird, um möglichst wenige systemische Nebenwirkungen hervorzurufen.

In einem UV-induzierten kPEK-Mausmodell reduzierte die topische Anwendung eines mindestens 0,1-prozentigen NFX-179-haltigen Gels die Bildung neuer kPEK um durchschnittlich 60 Prozent nach 28 Tagen. In einer weiteren Untersuchung an Mäusen zeigten sich die Wirkungen des Gels als lokal begrenzt, da die Entwicklung von Plattenepithelkarzinomen der Haut nur in behandelten Bereichen gehemmt wurde. Toxische Wirkungen wurden nicht beobachtet.

»Unsere Daten liefern überzeugende Anhaltspunkte für den Einsatz metabolisch labiler, topischer MEK-Inhibitoren wie NFX-179 als wirksame Strategie zur Chemoprävention von Plattenepithelkarzinomen der Haut. NFX-179-Gel scheint in präklinischen Modellsystemen sicher, verträglich und hochwirksam zu sein«, kommentiert Tsai abschließend.

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