Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Belastung Food Noise
-
Gedanken ans Essen bestimmen den Tag

Food Noise ist der zwanghafte Drang, ständig ans Essen zu denken – auch wenn man nicht hungrig ist. Die Ursachen für die Stimmen im Kopf können vielfältig sein. Psychologen schildern, wie man sie austrickst. 
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 08.07.2026  09:00 Uhr

Menschen, die mit Food Noise zu kämpfen haben, erleben einen dauernden Strom an Gedanken, die ums Essen kreisen, um Kalorien und Lebensmittelvorräte. Sie stellen sich die nächste Mahlzeit vor, sehnen sich nach den Snacks im Haus oder lassen sich von Werbung, Auslagen oder Social Media schnell reizen. Diese innere Geräuschkulisse raubt Betroffenen viel Energie und kann auf Kosten der Konzentration gehen. Das berichten Professor Dr. Graham Finlayson, Lehrstuhlinhaber für Biologische Psychologie an der Universität Leeds, und seine Kollegin, die Sportphysiologin und Außerordentliche Professorin an der psychologischen Fakultät, Catherine Gibbons, auf der Wissenschaftsplattform »The Conversation«.

In der Forschung beschreibt Food Noise ein Zusammenspiel aus Hunger, Sättigung, Heißhunger, Belohnung, emotionalem Essen und Reaktivität auf Reize. Die Ursachen und Ausprägungen unterscheiden sich stark. Manche Menschen reagieren auf ausgelassene Mahlzeiten, andere auf Stress oder Müdigkeit. Wieder andere spüren eher sich aufdrängende Essensgedanken oder die Angst, die Kontrolle zu verlieren. Problematisch wird es, wenn diese Signale den Alltag dominieren und Fokus, Stimmung oder Essverhalten beeinträchtigen.

Besonders häufig erlebten Menschen mit Übergewicht oder Adipositas dieses Phänomen. GLP-1-Präparate wie Tirzepatid (Mounjaro®) oder Semaglutid (Wegovy®) ließen sich inzwischen mit Food Noise in Verbindung bringen. Viele Betroffene berichten demnach, dass unter der Einnahme das innere Essensrauschen leiser wird und weniger Raum einnimmt.

Nach dem Absetzen solcher Medikamente tauchen die Essensgedanken oft wieder auf, ohne automatisch ein Risiko zu sein. Entscheidend sei, den eigenen Appetit als steuerbar zu erleben und Essen genießen zu können, ohne dass es den Tag bestimme. Ein gewisses Maß an Hunger, Vorfreude und Genuss gehöre zum normalen Appetitsystem. Hunger sei ein normales Körpersignal – und kein Defekt, stellen die beiden Experten klar.

Hunger oder Heißhunger?

Hilfreich ist demnach ein genauer Blick auf das jeweilige Signal. So baut sich körperlicher Hunger meist langsam auf, Heißhunger dagegen entsteht plötzlich und richtet sich in der Regel auf ein bestimmtes Lebensmittel. Auch Reize wie Snacks im Sichtfeld oder Stress können das innere Geräusch verstärken. Besser ist also, verlockende Lebensmittel außer Sichtweite aufzubewahren sowie die Mahlzeiten vor dem Einkauf zu planen, um nicht zu viel in den Schränken zu haben. Klare Regeln können also helfen.

Wenn Food Noise mit Stress, Angst, Müdigkeit, Einsamkeit oder dem Bedürfnis nach Trost zusammenhängt, sehnen sich Körper und Geist womöglich nicht nach Essen. Stattdessen können Pausen oder ein kurzer Spaziergang hilfreicher sein. Auch Bewegung kann die Stimmen im Kopf zügeln und die Stimmung stabilisieren. Wenn die Gedanken ums Essen jedoch belastend werden oder mit Kontrollverlust einhergehen, sei professionelle Unterstützung nötig, so die Psychologen.

THEMEN
Lebensmittel
Mehr von Avoxa