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Verordnungsdaten

Gebrauch von Antidepressiva und Analgetika steigt kontinuierlich

In Deutschland sind die Verordnungszahlen von Schmerzmitteln, Antidepressiva und Neuroleptika seit 2010 kontinuierlich gestiegen. Die Linke sieht hier ein Alarmsignal und bringt den Anstieg mit den heutigen Arbeitsbedingungen in Zusammenhang.
Daniela Hüttemann
04.08.2021  15:40 Uhr

Wie hat sich der Gebrauch von Schmerzmitteln und Psychopharmaka in den vergangenen Jahren entwickelt? Das wollte die Bundestagsfraktion Die Linke wissen und hat eine schriftliche Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Diese antwortete mit Zahlen aus dem Arzneiverordnungsreport von 2010 bis 2019.

Demnach stiegen die definierten Tagesdosen (DDD), die zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnet wurden, bei den nicht-opioiden Analgetika kontinuierlich von 193 Millionen auf 262 Millionen DDD an. Der Opioid-Gebrauch stieg sogar von 387 Millionen DDD auf zuletzt 439 DDD an. Ein deutliches Plus gab es auch bei den Antidepressiva: von 1174 Millionen DDD im Jahr 2010 auf 1609 DDD im Jahr 2019. Neuroleptika werden ebenfalls immer häufiger verschrieben. Hier stiegen die verordneten Tagesdosen von 303 Millionen auf 360 Millionen DDD. Dagegen nahm die Verordnung von Tranquillanzien innerhalb des letzten Jahrzehnts deutlich ab: Von 125 Millionen DDD auf 86 Millionen DDD. 

»Während es erfreulich ist, dass psychische Erkrankungen und chronische Schmerzen häufiger erkannt und adäquat behandelt werden, ist die stetige Zunahme bei der Verordnung verschreibungspflichtiger Schmerzmittel und Psychopharmaka doch auch ein Alarmsignal«, meint Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke. »Denn soweit sich dahinter eine reale Zunahme von Beschwerden verbirgt, muss besonderes Augenmerkt auf Belastungen im Arbeitsleben gelegt werden.« Sie vermutet, dass viele psychische Probleme und Schmerzen darauf zurückgeführt werden können.

»Es kann keine nachhaltige Lösung sein, nur die Symptome zu behandeln und nicht an die gesellschaftlichen Ursachen der Probleme zu gehen«, so die Politikerin. Auch reiche kein Appell an Arbeitnehmer, ihr Verhalten zu ändern und gesünder zu leben. Vielmehr müssten krankmachende Arbeitsbedingungen verändert werden. »Mancher psychischen Belastung und mancher schmerzhaften Muskel- und Skeletterkrankung ließe sich so vorbeugen«, sagt Zimmermann und sieht den Gesetzgeber in der Pflicht, den Arbeitsschutz zu stärken.

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