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Fehlende Ressourcen
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Forschungsstandort am Kipppunkt

Die Experten waren sich einig: Als Forschungsstandort hinkt Deutschland im internationalen Vergleich massiv hinterher. Beim Deutschen Krebskongress wurde über die anhaltenden Probleme diskutiert, aber auch über mögliche Lösungsansätze.
AutorKontaktPaulina Kamm
Datum 20.02.2026  15:00 Uhr

Das Medizinforschungsgesetz 

Den Studienstandort Deutschland versuche man mit dem Medizinforschungsgesetz aufzuwerten, so Ruppert und Grünwald. »Seit Dezember mit dem Medizinforschungsgesetz gibt es die Standardsvertragsklausel«, so Grünwald. Dies sei zwar ein Fortschritt auf legislativer Ebene, in der praktischen Umsetzung allerdings bisher noch weitestgehend mangelhaft, da die Pharmafirmen die Standardverträge nicht akzeptieren und Passagen streichen. 

Das Gesetz hat laut Ruppert rund vierzig Verbesserungen für die klinische Prüfung bewirkt. »Wenn ich fünf Prozent von Patientinnen und Patienten aus den Zulassungsstudien aus Deutschland habe, kann ich im Endeffekt die AMNOG-Leitplanken ausklammern und damit möglicherweise einen besseren Preis in Deutschland erzielen«, so Ruppert. Dies sei eine Chance, um mehr Menschen für Studien zu rekrutieren, allerdings bringe das Gesetz auch neue Hürden mit sich: Mehr Studien bedeuten auch noch größeren personellen Bedarf an den Forschungszentren.

Die Patientinnen- und Patientenbeteiligung 

Göbel wünscht sich mehr Einbezug der Patientinnen und Patienten von Studienbeginn an auf Augenhöhe mit den medizinischen Fachkräften. Er verzeichnete schon einige Positiventwicklungen in den vergangenen Jahren: Teilhabe in der Leitlinienerstellung, Mitwirkung am selbsthilfefreundlichen Krankenhaus, in Kommissionen in den Ministerien oder Patientinnen- und Patientenbeiräten der Kliniken. Auch im Beirat des Zentrums für Krebsregisterdaten (ZfKD) gibt es eine Vertretung, in Ethikkommissionen sowie Mitwirkung in der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und im Nationalen Centrum für Tumorerkrankte (NTC). Die Begutachtung durch die Patientinnen- und Patientenvertretung sei weitestgehend kostenlos, weswegen er den mangelnden Einbezug umso weniger nachvollziehen kann.

Göbel würde sich wünschen, dass Patientinnen- und Patienteninformationen verständlicher und mit Grafiken versehen werden, auch Kurzzusammenfassungen seien hilfreich. »Warum glauben eigentlich alle zu wissen, was die Patienten wollen und brauchen, ohne die Patienten zu fragen«, so Göbel mit Blick auf so manches Studiendesign. Bei Endpunkten, klinischen Fragestellungen und Datenbanken für Studien sieht er noch Entwicklungsbedarf. Für seine Kolleginnen und Kollegen wünscht er sich mehr Fortbildung, um qualifizierter zu unterstützen.

Göbel versucht nach eigenen Angaben seit vier Jahren, auf die verschiedenen Ansprechpartnerinnen und -partner der Pharmabranche zuzugehen: »Wir sind nicht contra Pharma, wir freuen uns, dass wir am Leben sein können, weil es innovative Medikamente gibt.«

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