Sogar ein Pflaster klebt der Roboter auf die punktierte Stelle. / © Getty Images/FG Trade Latin
Das niederländische Unternehmen Vitestro hat eine Zulassung der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA für den autonomen Blutentnahmeroboter namens Aletta® erhalten, ein sogenanntes Autonomous Robotic Phlebotomy Device™ (ARPD™). Er soll venöse Blutabnahmen weitgehend selbstständig durchführen und dadurch den Fachkräftemangel in der Phlebotomie, der fachgerechten Entnahme von Blut aus einer Vene, abfedern. Der Einsatz muss jedoch von einer in Phlebotomie trainierten Fachkraft überwacht werden. Ein Mensch kann dabei gleichzeitig bis zu drei Roboter zur gleichen Zeit überwachen. Zugelassen wurde er für ambulante Settings.
Blutentnahmen gehören zu den am häufigsten durchgeführten medizinischen Eingriffen in den Vereinigten Staaten, doch Patienten müssen aufgrund eines zunehmenden Mangels an ausgebildeten Phlebotomisten unter Umständen mit Verzögerungen rechnen, teilte die FDA mit.
Die Nadel sticht dank KI, Robotik, NIR und Ultraschall laut Hersteller submillimetergenau in eine geeignete Vene. / © Vitestro/Norbert Waalboer
Der Patient legt seinen Arm in die vorgesehene Halterung. Das System gibt Anweisungen zur korrekten Positionierung. Der Patient oder die Aufsichtsperson drückt eine Taste, um die Blutentnahme zu starten. Dann sucht Aletta eine passende Vene mittels Nahinfrarot-Bildgebung (NIR), Ultraschall und Doppler-Ultraschall. Dafür wird auch eine KI genutzt. So kann der Roboter zugleich sicherstellen, dass es sich nicht um eine Arterie handelt, und im Submillimeterbereich punktieren. Findet das System keine geeignete Vene, wird die Punktion nicht durchgeführt, erklärt der Hersteller auf seiner Website.
Die FDA erklärt den weiteren Vorgang so: »Sobald eine Vene identifiziert wurde, führt Aletta die verbleibenden Schritte selbstständig durch: Anlegen einer Stauung, Vorbereiten der Haut, Einführen und Entsorgen der Nadel, Wechseln der Entnahmeröhrchen und Anlegen eines Pflasters.« Die Fachkraft bestätigt, dass die Entnahmeröhrchen in der richtigen Reihenfolge befüllt wurden, und überprüft nach dem Eingriff, ob alle Röhrchen ausreichend gefüllt sind.
»Das Aletta-Gerät wurde unter Berücksichtigung mehrerer Ebenen der Patientensicherheit entwickelt«, versichert die US-Zulassungsbehörde. Das Gerät trage während der Ultraschalluntersuchung kontinuierlich Desinfektionsmittel auf die Haut auf. Außerdem muss es nach jeder Nutzung von geschultem Fachpersonal gereinigt werden. »Wenn sich ein Patient während des Eingriffs zu stark bewegt, löst sich die Nadel automatisch und die Blutentnahme wird unterbrochen; zusätzliche integrierte Sensoren können den Eingriff unterbrechen und das Aufsichtspersonal alarmieren, wenn andere unsichere Zustände festgestellt werden.«
Laut Hersteller ist das Gerät bereits CE-zertifiziert und in klinischer und präkommerzieller Nutzung in Europa. »Aletta wird zunächst in Europa kommerziell eingeführt, danach folgen die USA«, teilte Vitestro mit.