Pharmazeutische Zeitung online
Multiple Sklerose

Fachgesellschaft stellt neue Leitlinie vor

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat eine aktualisierte und erweiterte S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose (MS) publiziert. Neu sind unter anderem konkrete Angaben, ob, wann und welche der verlaufsmodifizierenden Immuntherapien indiziert sind.
PZ
12.05.2021  17:00 Uhr

Jährlich erhalten der DGN zufolge mehr als 10.000 Menschen in Deutschland die Erstdiagnose MS. Derzeit gebe es insgesamt in Deutschland über 250.000 Betroffene, so die Fachgesellschaft in einer Pressemitteilung. Durch die intensive MS-Forschung in den vergangenen Jahren gebe es neue Erkenntnisse zur Diagnostik und zahlreiche neue Therapieoptionen, sodass eine Aktualisierung der Leitlinie von 2012 erforderlich gewesen sei.

Zu den Neuerungen zählt unter anderem, dass das bisherige Behandlungs-Stufenschema durch drei Wirksamkeitskategorien ersetzt wurde, denen die einzelnen verlaufsmodifizierenden MS-Medikamente zugeordnet wurden. Die Eingruppierung erfolgte anhand der Schubratenreduktion aus den Zulassungsstudien. Zur Wirksamkeitskategorie 1 gehören Betainterferone, Dimethylfumarat, Glatirameroide und Teriflunomid, zur Kategorie 2 Cladribin, Fingolimod und Ozanimod und zur Kategorie 3 Alemtuzumab, CD20-Antikörper (Ocrelizumab, off label Rituximab) und Natalizumab. »Mit zunehmender Wirksamkeit nehmen allerdings auch die seltenen unerwünschten schweren Arzneimittelwirkungen zu«, so die Leitlinienautoren.

Des Weiteren werden explizit Medikamenten-Neuzulassungen benannt. Dazu gehören die Sphingosin-1-Phosphat-(S1P-)Rezeptormodulatoren Fingolimod, Siponimod und Ozanimod sowie der monoklonale Antikörper Ocrelizumab. Letzterer ist als erste Therapie der frühen PPMS (primär progrediente MS) zugelassen. Für schubförmige Erkrankungen des Neuromyelitis-optica-Spektrums (NMOSD) mit positiven AQP4-Antikörpern wird der humanisierte monoklonale Antikörper Eculizumab empfohlen.

Zudem werden in der aktualisierten Leitlinie definierte Einstiegs-, Wechsel- und auch Ausstiegsszenarien vorgestellt und es wird auf spezielle Situationen wie Schwangerschaft und Stillzeit sowie MS bei Älteren und Kindern/Jugendlichen eingegangen.

Mehr von Avoxa