| Jennifer Evans |
| 29.09.2026 08:00 Uhr |
Selbstmedikation bei Tieren: keine exotische Ausnahme, sondern ein im gesamten Tierreich wiederkehrendes Muster. / © Adobe Stock/familie-eisenlohr.de
Bereits seit den 1970er-Jahren ist bekannt, dass Tiere sich selbst behandeln können, berichtet das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Schimpansen nehmen zum Beispiel bittere Blätter zu sich, um Darmparasiten zu bekämpfen. Und Vögel polstern mit insektenabwehrenden Pflanzen ihre Nester aus, um anämieauslösende Milben zu vertreiben. Zoopharmakognosie nennt die Wissenschaft das Verhalten.
Wildlebende afrikanische Elefanten scheinen da keine Ausnahme zu bilden. Nach BNITM-Angaben haben lokale Experten beobachtet, dass die Tiere im kenianischen Mount-Elgon-Gebiet gezielt bestimmte Pflanzen auswählen, wenn sie krank sind. Teilweise seien diese weder besonders nährstoffreich noch schmackhaft, heißt es.
Auch Elefantenmütter verabreichten ihrem Nachwuchs pflanzliche Medizin. Viele dieser Pflanzen spielten auch in der traditionellen Medizin der indigenen Bevölkerung eine Rolle, schreibt das Autorenteam der BNITM-Studie, die im Fachjournal »Scientific Reports« erschienen ist.
Konkret nutzen die Dickhäuter Aloe arborescens, Bersama abyssinica und Ficus natalensis. Dafür legen die Tiere weite Strecken zurück, um Blätter oder Rinde zu holen; unterwegs fraßen sie demnach nichts.
Bei den Erkenntnissen, die das Forschungsteam derzeit noch weiter auswertet, geht es um weit mehr als mögliche neue Medikamente. Sie bringen ein besseres Verständnis im Sinne des One-Health-Ansatzes, der besagt, dass die Gesundheit von Mensch, Tier und Ökosystemen zusammenhängt.
Dafür spricht auch, dass sich das Heilpflanzenwissen von Mensch und Elefant vor Ort stark überlappt (87 Prozent). Diese »gemeinsame ökologische Wissensbasis« habe sich vermutlich über Generationen hinweg entwickelt. Den Schutz der Elefantenapotheke sehen die Forschenden daher als Schlüssel, um auch die bedrohte Tierart zu schützen.