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Glosse
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Fragen Sie Ihre Apotheke – oder Ihren Elefanten

Wenn Elefanten Beschwerden haben, führt ihr Weg offenbar direkt zur passenden Pflanze – pharmazeutisch wirft das allerdings einige Fragen auf. Eine Glosse.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 02.10.2026  09:00 Uhr

Es gibt Fortschritte bei der Arzneimittelversorgung. Und ausnahmsweise kommen sie nicht aus Berlin oder Brüssel, sondern aus dem afrikanischen Busch. Elefanten, so haben Forschende beobachtet, scheinen bestimmte Pflanzen gezielt zur Selbstmedikation zu nutzen.

Das ist bemerkenswert. Während der Mensch bei ersten Symptomen noch überlegt, ob er zum Arzt, in die Apotheke oder zunächst ins Internet gehen soll, hat der Elefant offenbar längst entschieden: Heute nehme ich die Rinde.

Der Elefant geht zur Pflanze, die Pflanze ist da, die Abgabe erfolgt unmittelbar. Von solchen Prozessen kann das deutsche Gesundheitswesen nur träumen.

Aus pharmazeutischer Sicht bleiben allerdings auch in der Elefanten-Apotheke Fragen. Wer prüft Identität, Reinheit und Gehalt? Wie wird dosiert? »Dreimal täglich einen Zweig« dürfte angesichts der erheblichen Gewichtsunterschiede innerhalb der Patientengruppe etwas unpräzise sein. Für eine Gebrauchsinformation wäre das ohnehin etwas dürftig.

Tierische Selbstmedikation

Auch die Selbstmedikation wäre näher zu betrachten. Immerhin scheint der Elefant seine Beschwerden eigenständig zu beurteilen und anschließend eine Arzneipflanze auszuwählen. In der Offizin würde man bei einem solchen Kunden zumindest einige Rückfragen stellen. Seit wann bestehen die Beschwerden? Werden weitere Medikamente eingenommen? Vorerkrankungen? Schwangerschaft? Spätestens beim diskreten Beratungsgespräch stößt die Elefanten-Apotheke allerdings an räumliche Grenzen.

Immerhin kennt der selbstversorgende Elefant offenbar keine Lieferengpässe. Noch nicht. Sobald sich in der Herde herumspricht, dass eine bestimmte Rinde besonders gut hilft, könnte auch im Busch der vertraute Satz fallen: derzeit nicht verfügbar, Liefertermin unbekannt. Vielleicht gibt es einen wirkstoffgleichen Baobab. Und bitte fragen Sie beim nächsten Wasserloch noch einmal nach.

Richtig kompliziert wird es ohnehin, sobald der Gesetzgeber von der Sache erfährt. Wenn ein Baum mit pharmakologischer Wirkung zur Behandlung von Beschwerden eingesetzt wird – ist er dann nicht möglicherweise ein Arzneimittel? Dann braucht er eine Zulassung.

Und damit beginnen die Probleme. Die Zusammensetzung schwankt von Charge zu Charge, die Lagerbedingungen sind unklar, eine Packungsbeilage fehlt vollständig. Die Produktionsstätte steht im Freien. Temperaturmonitoring: Fehlanzeige. Schädlingsbefall: regelmäßig. Dokumentation: keine. Von GMP kann keine Rede sein.

Vermutlich würde die Behörde den Baum vorsorglich sperren. Der Elefant müsste anschließend auf ein zugelassenes Präparat ausweichen. Das wäre dann allerdings gerade nicht lieferbar.

Vielleicht sollte man die Tiere deshalb einfach weitermachen lassen. Sie haben ihre Arzneimittelversorgung schließlich viele tausend Jahre ohne Rabattverträge und Retaxationen organisiert.

Und womöglich liegt darin sogar eine kleine pharmazeutische Erkenntnis: Gegen manches Leiden ist tatsächlich ein Kraut gewachsen. Man muss sich nur merken, wo es steht.

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