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Pillen-Rückruf

Experte sieht Versäumnisse

Nach dem Rückruf der Antibabypille »Trigoa« wegen falsch bedruckter Tablettenverpackungen bleibt die Zahl der betroffenen Frauen weiter unklar. Der Hersteller Pfizer machte auch heute keine näheren Angaben zu den drei zurückgerufenen Chargen.
dpa
10.12.2018
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Die zuständige Berliner Aufsichtsbehörde, das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) teilte heute mit, an Apotheken und Großhandel seien bundesweit gut 2700 Packungen der betroffenen Chargen ausgeliefert worden. Pfizer hatte am Wochenende erklärt, der Rückruf betreffe »eine niedrige Anzahl« von Packungen.

Der Pharmaexperte Gerd Glaeske (Universität Bremen) kritisierte angesichts der Behördenwarnung vor ungewollten Schwangerschaften die Kommunikationspolitik des Herstellers. »Gerade unter dem Aspekt der eingeschränkten Zuverlässigkeit der Verhütung sollte mit dem Rückruf eine öffentliche Warnung einhergehen«, sagte der Wissenschaftler. Bis zum heutigen Nachmittag war aber zum Beispiel auf der Pfizer-Webseite keine Information zum »Trigoa«-Rückruf zu finden, weder über Modalitäten der Rückgabe betroffener Packungen noch zur weiteren Einnahme der Pille für betroffene Anwenderinnen.

Eine Pfizer-Sprecherin hatte auf Anfrage erklärt: »Die Information zum Rückruf von drei Trigoa-Chargen ist in Abstimmung mit den hier zuständigen Behörden erfolgt. Unsere Informationen erfolgen in Einklang mit dieser Abstimmung.« So seien beispielsweise Ärzte und Apotheken in ganz Deutschland aktiv informiert worden. Weitere Informationen seien derzeit nicht geplant.

Glaeske betonte, im Fall von Schwangerschaften sei der Hersteller nach seiner Einschätzung »haftbar zu machen für Folgen mangelnder Produktqualität«. Fehler wie falsch bedruckte Durchdrückverpackungen müssten aus seiner Sicht in der Qualitätssicherung des Herstellers auffallen. Da zunehmend im Ausland produziert werde, fielen Fehler manchmal aber erst den Anwendern oder Apothekern auf. Das Unternehmen selbst reagierte nicht auf die Frage, wie der Fehler passierte.

Reihenweise Schwangerschaften nicht zu erwarten

Frauenärzte rechnen nun nicht mit reihenweise Schwangerschaften. Die in der Pille enthaltenen synthetischen Hormone seien »zu jedem Zeitpunkt ausreichend hoch dosiert, um einen Eisprung zu verhindern, auch dann, wenn die Dragees in einer falschen Reihenfolge eingenommen werden«, erklärte der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, heute auf Anfrage. »Das gilt, solange eine regelmäßige, tägliche Einnahme alle 24 Stunden gesichert ist.« Etwaige Folgen für den Hormonhaushalt betroffener Frauen waren zunächst unklar.

Laut einem heute auf der Webseite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte veröffentlichten Hinweis an Apotheker und Ärzte sollten Frauen über den Rückruf informiert werden, die zwischen dem 27. November und dem 6. Dezember ein entsprechendes Rezept eingelöst haben könnten – ein drei Tage längerer Zeitraum als in ersten Behördenangaben. Packungen aus den betroffenen Chargen sollten über Apotheken zurückgegeben werden.

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