Pharmazeutische Zeitung online
Antibiotika bei Nutztieren

EU stimmt für strengere Regeln

Landwirte in Europa dürfen ihren Tieren künftig nur noch in seltenen Fällen vorbeugend Antibiotika verabreichen. Bestimmte Wirkstoffe sollen außerdem der Behandlung von Menschen vorbehalten sein. Das hat das EU-Parlament vergangenen Donnerstag beschlossen.
Anna Pannen
29.10.2018
Datenschutz bei der PZ

Das EU-Parlament hat nach langen und zähen Verhandlungen eine Novelle der Tierarzneimittelverordnung abgesegnet. Schon seit 2014 hatten die Parlamentarier an dem Papier gearbeitet, das Thema wurde jedoch kontrovers diskutiert. Diesen Juni schließlich stimmte der Gesundheitsausschuss des EU-Parlaments der Novelle zu. Nun hat auch das gesamte Parlament Ja gesagt.

583 EU-Minister stimmten dafür, dass Landwirte ihren Tieren Antibiotika künftig deutlich zurückhaltender geben müssen. 16 stimmten dagegen, 20 enthielten sich. Die Novelle schreibt unter anderem vor, dass Bauern künftig nur noch einzelnen Tieren prophylaktisch Antibiotika verabreichen dürfen, nicht mehr ganzen Tiergruppen. Außerdem muss auch diesen Einsatz zuvor stets ein Tierarzt rechtfertigen, zum Beispiel mit dem Hinweis auf ein hohes Infektionsrisiko für einzelne Tiere.

Das gilt auch, wenn schon ein Tier innerhalb einer Gruppe erkrankt ist. Seine Stallgenossen dürfen in diesem Fall nur dann ebenfalls Antibiotika bekommen, wenn ein Tierarzt die Infektion diagnostiziert hat und einen dringenden Bedarf zur Mitbehandlung sieht. Antibiotika dürfen außerdem nicht mehr verwendet werden, um lediglich das Wachstum der Tiere zu fördern.

Außerdem sieht die Novelle eine Liste antibiotischer Wirkstoffe vor, die überhaupt nicht mehr bei Tieren, sondern nur noch bei Menschen zum Einsatz kommen dürfen. Diese Liste soll die EU-Kommission erstellen. Für Medikamentenhersteller wurden Anreize beschlossen, um mehr an neuen Antibiotika gegen resistente Erreger zu forschen, etwa ein längerer Patentschutz.

EU-Berichterstatterin Françoise Grossetête nannte die Novelle einen großen Fortschritt für die öffentliche Gesundheit. Dank des Gesetzes könne man die Verwendung von Antibiotika in der Tierhaltung endlich reduzieren. »Die Antibiotikaresistenz hängt über uns wie ein Damoklesschwert, das unser Gesundheitssystem ins Mittelalter zurückzuschicken droht«, warnte Grossetête.

Die Novelle muss nun noch vom EU-Ministerrat angenommen werden, was allerdings eine reine Formalie ist. Anschließend wird sie im Amtsblatt der Europäischen union veröffentlicht und gilt ab diesem Tag offiziell. Ebenfalls am Donnerstag stimmte das EU-Parlament auch strengeren Regeln zur Herstellung und Verwendung von Arzneifuttermitteln zu. /

Foto: Shutterstock/DutchScenery

Mehr von Avoxa