| Melanie Höhn |
| 20.01.2026 15:00 Uhr |
Der Bericht hebt zudem die Vorteile der freiwilligen grenzüberschreitenden Beschaffung zur Verbesserung der Versorgung hervor, insbesondere bei Arzneimitteln für seltene Erkrankungen, antimikrobiellen Mitteln und anderen innovativen, hochpreisigen oder spezialisierten Therapien, heißt es seitens des Parlaments. Die Abgeordneten wollen außerdem die Anzahl der Länder, die an gemeinsamen Beschaffungsverfahren teilnehmen dürfen, auf mindestens fünf reduzieren, gegenüber neun im ursprünglichen Vorschlag der Kommission.
Um Engpässe besser vorherzusehen und zu bewältigen, wird zudem die Einrichtung eines EU-weiten Koordinierungsmechanismus für nationale Reserven und Notfallreserven kritischer Arzneimittel gefordert. Sie wollen außerdem, dass die EU-Kommission im äußersten Notfall die Befugnis erhält, Arzneimittel aus einer nationalen Reserve in ein oder mehrere andere Länder umzuverteilen, wenn ein Engpass oder eine Versorgungsunterbrechung festgestellt wurde.
Der Berichterstatter Tomislav Sokol erklärte: »Wir haben uns heute auf klare Prioritäten geeinigt: die Koordinierung nationaler Reserven und Notfallbestände, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der pharmazeutischen Industrie der EU und die Behebung von Arzneimittelengpässen durch die Sicherstellung der Verfügbarkeit für EU-Patienten. Wir haben außerdem einen klaren und strengen Grundsatz für das öffentliche Beschaffungswesen festgelegt: Der Preis darf nicht länger das alleinige Kriterium bei der Vergabe von Arzneimittelaufträgen sein.«
Versorgungssicherheit, die Stabilität der Produktionsketten und die Produktionskapazitäten innerhalb der EU müssen nun berücksichtigt werden. Der Ansatz »europäisch kaufen« stelle sicher, dass das öffentliche Beschaffungswesen zuverlässige Lieferanten unterstütze, die Arzneimittelproduktion in der EU stärke und zur langfristigen Versorgungssicherheit beitrage, so Sokol.
Laut dem EU-Abgeordneten Peter Liese (EVP) ist das Problem der mangelnden Versorgungssicherheit bei Arzneimitteln nach wie vor riesig. »Zu oft hören Menschen in der Apotheke oder beim Arzt, ›Dieses Medikament ist nicht lieferbar‹, das führt nicht nur zu Ärger und Mehrarbeit bei medizinischem Personal, sondern zu echten medizinischen Problemen und hohen Folgekosten«, sagte er.
Bei einem Arbeitseinsatz in der Kinderklinik Paderborn habe er selbst erlebt, dass einige kleine Patienten nur deshalb in der Klinik waren, weil Medikamente nicht verfügbar waren. »Europa hat dieses Problem nicht verursacht, sondern es waren die Mitgliedstaaten, die bei der Beschaffung von Arzneimitteln, insbesondere bei den billigen Nachahmerprodukten, nur auf den Preis und nicht auf die Versorgungssicherheit geachtet haben«, kritisierte der Politiker. Dadurch sei die Produktion fast vollständig nach China und Indien abgewandert. »Wenn dann im Suezkanal ein Schiff quer steht oder eine der wenigen Produktionsstätten ein technisches Problem hat, bekommen wir keine Medikamente. Angesichts der geopolitischen Lage besteht die Gefahr, dass sich das Problem sogar noch verschärft, wenn wir nicht schnell handeln. Europa kann und muss Teil der Lösung sein«, bekräftigte er.