| Laura Rudolph |
| 17.04.2026 10:00 Uhr |
Transdermales Estradiol ist leicht anzuwenden und wirkt laut einer neuen Studie gegen Prostatakrebs bei ausgewählten Patienten genauso gut wie GnRH-Analoga. / © Getty Images/Stockbyte
Prostatakrebs ist meist hormonabhängig. Die Karzinomzellen benötigen Androgene wie Testosteron und Dihydrotestosteron, um zu wachsen und sich zu vermehren. Viele Patienten erhalten daher eine Hormontherapie, etwa mit GnRH-Analoga (LHRH-Agonisten) wie Leuprorelin, Triptorelin oder Buserelin, die die Produktion von Androgenen und Estrogenen unterdrücken. Dies kann jedoch unerwünschte Wirkungen wie Hitzewallungen, Schwitzen oder eine verminderte Knochendichte aufgrund des Estrogenabfalls verursachen.
Forschende des University College London konnten nun in einer randomisierten Studie zeigen, dass Estradiolpflaster eine ebenso wirksame und besser verträgliche Alternative zu Injektionen mit GnRH-Analoga bei lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom darstellen können. Die Ergebnisse der Studie sind kürzlich im Fachjournal »The New England Journal of Medicine« erschienen.
Das Team um Professor Dr. Ruth E. Langley rekrutierte 1360 Patienten mit Prostatakrebs aus dem Vereinigten Königreich. Bei 85 Prozent war der Tumor über das Organ hinausgewachsen (Tumorstadium T3), bei 35 Prozent fanden sich zudem Lymphknotenmetastasen.
721 Teilnehmer erhielten transdermales Estradiol (E2) – immer vier Pflaster auf einmal, mit einer Freisetzungsrate von jeweils 100 µg pro 24 Stunden (entspricht einer E2-Dosis von 400 µg pro Tag) und einem Wechsel alle zwei Tage. Lag das Testosteronlevel nach vier Wochen unter 1,7 Nanomol/Liter, wurde die Dosis auf drei Pflaster, entsprechend einer Tagesdosis von 300 µg, reduziert.
639 Teilnehmer bekamen GnRH-Agonisten injiziert, je nach Präparat alle vier oder zwölf Wochen. Da zu Beginn einer solchen Therapie durch die Überstimulation der GnRH‑Rezeptoren der Hypophyse zunächst die Hormonlevel stark steigen, bevor sie fallen (»Flare-up«), durften in den ersten acht Wochen zusätzlich die Antiandrogene Bicalutamid oder Flutamid zum Einsatz kommen.
In beiden Armen erstreckte sich die Behandlung über mindestens zwei Jahre. Als primären Endpunkt definierte die Forschungsgruppe das 3-Jahres-Überleben ohne Metastasen. Weitere Endpunkte waren ein Testosteronlevel auf Kastrationsniveau (< 1,7 nmol/l), das Gesamtüberleben und Sicherheitsprofil.
Nach drei Jahren lebten in der Estradiol-Gruppe 87,1 Prozent metastasenfrei, in der GnRH-Analoga-Gruppe 85,9 Prozent. Das Gesamtüberleben betrug unter Estradiol 81,1 Prozent und unter GnRH-Analoga 79,2 Prozent. In beiden Gruppen erreichten 85 Prozent der Teilnehmenden nach dem ersten Jahr Testosteronlevel von weniger als 1,7 nmol/l.
Bei vergleichbarer Wirkung schnitten die Hormonpflaster hinsichtlich der Nebenwirkungen deutlich besser ab: Hitzewallungen traten unter Estradiol bei 44 Prozent auf, unter GnRH-Analoga bei 89 Prozent. Allerdings trat in der E2-Gruppe mit 85 Prozent etwa doppelt so häufig eine Vergrößerung des männlichen Brustdrüsengewebes auf wie in der Kontrollgruppe (42 Prozent).
»Wir sind überzeugt, dass unsere Ergebnisse Männern mit lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs ermöglichen sollten, selbst zu entscheiden, welche Hormontherapie am besten zu ihnen passt«, sagte Langley in einer Pressemitteilung ihrer Universität. »Die einfache Anwendung und das günstigere Nebenwirkungsprofil eröffnen den Patienten echten Handlungsspielraum«, ergänzte Co-Autor Dr. Duncan Gilbert.