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EU-Kommission

Esketamin-Nasenspray gegen Depressionen zugelassen

Die Europäische Kommission hat das Esketamin-haltige Nasenspray Spravato von der Firma Janssen-Cilag zugelassen. Es kommt zur Behandlung schwerer Depressionen zum Einsatz, jedoch nicht als Monotherapie.
Sven Siebenand
23.12.2019
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Spravato® wird bei Erwachsenen mit therapieresistenter Major Depression angewendet, die in der aktuellen mittelgradigen bis schweren depressiven Episode auf mindestens zwei unterschiedliche Therapien mit Antidepressiva nicht angesprochen haben. Es wird mit einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) kombiniert. 

Bei Spravato handelt es sich um das erste Antidepressivum, das in Form eines Nasensprays angewendet wird. Der Nasenspray-Applikator ist ein Einmal-Applikator der insgesamt 28 mg Esketamin, aufgeteilt auf zwei Sprühstöße (ein Sprühstoß pro Nasenloch) enthält. Das Nasenspray ist zur Anwendung durch den Patienten selbst unter der Aufsicht von medizinischem Fachpersonal bestimmt, wobei ein Applikator (für eine Dosis von 28 mg), zwei Applikatoren (für eine Dosis von 56 mg) oder drei Applikatoren (für eine Dosis von 84 mg) jeweils im Abstand von fünf Minuten angewendet werden. Die Dosierungsempfehlungen sind der Fachinformation des neuen Präparats zu entnehmen.

Vor der Anwendung des Nasensprays muss der Blutdruck des Patienten gemessen werden. Wenn der Ausgangs-Blutdruck erhöht ist, müssen die Risiken, die mit kurzzeitig erhöhten Blutdruckwerten einhergehen, gegen den Nutzen der Behandlung abgewogen werden. Das Spray darf nicht angewendet werden, wenn ein erhöhter Blutdruck oder ein erhöhter intrakranieller Druck ein schwerwiegendes Risiko darstellt. Der Blutdruck sollte etwa 40 Minuten nach Anwendung von Spravato sowie anschließend nach klinischem Ermessen erneut kontrolliert werden.

Der große Vorteil von Esketamin ist, dass es vergleichsweise schnell wirkt. Der antidepressive Effekt kommt vermutlich über einen Antagonismus am NMDA-Rezeptor zustande.  Dieser sorgt für einen vorübergehenden Anstieg der Glutamatausschüttung, der zur vermehrten Stimulation des AMPA-Rezeptors und in der Folge zu einer erhöhten Neurotrophin-induzierten Signalweiterleitung führt, die zu einer Wiederherstellung der synaptischen Funktionen in den Hirnregionen beitragen kann, die für die Stimmungs- und Emotionsregulation zuständig sind.

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