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Antibiotika-Einnahme

Erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Eine längerfristige Antibiotika-Einnahme bei Frauen über 40 Jahren ist mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verknüpft. Dies berichteten Forscher der Tulane Universität in New Orleans im »European Heart Journal«.
Michelle Haß
02.05.2019
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In einer prospektiven Beobachtungsstudie untersuchte das Team um Dr. Yoriko Heianza den Zusammenhang zwischen Antibiotika-Einnahmen bei Frauen und dem Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse (Herzinfarkt oder Schlaganfall). Hierfür analysierten sie Daten der sogenannten »Nurses' Health Study«, einer US-amerikanischen Längsschnittstudie, die seit 1976 mittels zweijährlicher Befragung von Krankenschwestern epidemiologische Gesundheitsdaten sammelt.

In ihrer Auswertung berücksichtigten die Forscher Daten aus den Jahren 2004 bis 2012. Insgesamt bezogen sie 36.429 Frauen, die zu Beginn des Beobachtungszeitraums 60 Jahre oder älter waren, mit ein. Anhand von Befragungen wurde die Häufigkeit der Antibiotika-Anwendung der einzelnen Probandinnen im Laufe ihres Lebens ermittelt. Dabei wurden drei Lebensabschnitte unterschieden: junges (20 bis 39 Jahre), mittleres (40 bis 59 Jahre) sowie spätes Erwachsenenalter (über 60 Jahre). Je nach Häufigkeit und Dauer der Einnahme erfolgte eine Einteilung in vier Gruppen.

Bei Frauen, die im späten Erwachsenenalter Antibiotika über einen Zeitraum von zwei Monaten oder mehr eingenommen hatten, war das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse im Vergleich zu Frauen, die keine Antibiotika einnahmen, um 32 Prozent erhöht. Bei Teilnehmerinnen, die im mittleren Alter längerfristig Antibiotika eingenommen hatten, war das Risiko um 28 Prozent gesteigert. Die Anwendung von Antibiotika im jungen Erwachsenenalter war nicht signifikant mit einer Risikoerhöhung verbunden. Informationen zu den verschiedenen Antibiotikaklassen lagen den Forschern nicht vor.

Co-Autor und Leiter des Instituts für Epidemiologie der Tulane Universität, Professor Dr. Lu Qi, betont, dass die Forschungsergebnisse der Beobachtungsstudie keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen einer Antibiotika-Einnahme und dem Auftreten eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls beweisen, sondern lediglich eine Assoziation beider Ereignisse zeigen. In einer Pressemitteilung der European Society of Cardiology erklärte er: »Es ist möglich, dass Frauen, die mehr Antibiotika eingenommen haben, auf eine andere Weise kranker sind, die wir nicht messen konnten, oder dass es andere Faktoren gibt, die zu diesen Ergebnissen führen, die wir aber nicht einbeziehen konnten.«

Sollte es doch einen kausalen Zusammenhang zwischen den Ereignissen geben, vermutet er die mögliche Ursache hierfür im Darm. »Frühere Studien haben einen Zusammenhang zwischen Veränderungen in der mikrobiotischen Umgebung des Darms und Entzündungsvorgängen sowie Verengungen der Blutgefäße, Schlaganfall und Herzerkrankungen gezeigt«, sagte er.

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