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Zunehmende Hinweise

Epstein-Barr-Virus als Auslöser von Multipler Sklerose

Eine Einschätzung zu der Studie gab Professor Dr. Henri-Jacques Delecluse vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg gegenüber dem Science Media Center Deutschland ab: »Die Stärke des Papers liegt in der sehr großen Zahl von über zehn Millionen beobachteten Menschen und in der Länge der Studie von etwa 20 Jahren. Damit ist sie die bis jetzt überzeugendste Studie auf dem Gebiet und zeigt eindeutig, dass sich MS ohne EBV-Infektion beinahe nicht entwickeln würde.«

Interessant sei auch die Erkenntnis, dass der Biomarker Neurofilament light chain nach einer EBV-Infektion ansteige. »Hier konnten die Autoren überzeugend zeigen, dass nur die EBV-Infektion diese Veränderungen verursacht, und zwar bereits mehrere Jahre bevor die klinischen Zeichen von MS sichtbar werden.« Dies lasse annehmen, dass die Infektion relativ schnell Läsionen im Gehirn setze, die sich jedoch jahrelang fortsetzen müssten, bevor sie MS verursachten.

Delecluse betont, dass neben der EBV-Infektion auch andere Faktoren zum Beispiel genetischer Natur wichtig seien, etwa MHC-Gene, die die Immunantwort regulieren. Es sei auch sehr wahrscheinlich, dass andere, bis jetzt nicht eindeutig identifizierte nicht genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen, etwa das Alter bei der ersten Infektion mit EBV oder infektiöse Agenzien. Letztlich sei MS aber eine seltene Krankheit und die allermeisten EBV-positiven Menschen hätten keine MS.

Konsequenzen für die MS-Therapie?

Mit Blick auf die Behandlung der MS ergeben sich dem Experten zufolge aus der Studie derzeit keine unmittelbaren Konsequenzen. Bemerkenswert sei aber, dass EBV bestimmte Immunzellen (B-Zellen) infiziert und in diesen Zellen verbleibt. »Interessanterweise haben sich Behandlungen, welche die Anzahl von B-Zellen im Blut verringern, als sehr wirksame Therapien bei der MS erwiesen«, berichtet Delecluse.

Inzwischen wird auch an Impfungen gegen EBV gearbeitet. »Theoretisch bedeutet der kausale Zusammenhang zwischen EBV und MS, dass eine Impfung gegen EBV die Entstehung einer MS verhindern sollte«, so Delecluse. Derzeit stehen aber keine zugelassenen EBV-Impfstoffe zur Verfügung. Selbst wenn es gelänge, einen wirksamen Impfstoff gegen EBV zu entwickeln, würde es Jahrzehnte dauern, bis abschließend klar wäre, ob ein derartiger Impfstoff tatsächlich einen Schutz vor MS bewirkt, gibt er zu bedenken. Das US-Unternehmen Moderna hat vor wenigen Tagen eine Phase-I-Studie mit einem mRNA-basierten Impfstoffkandidaten gegen EBV gestartet.

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