Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

E-Rezept-Enthusiasten
-
ePA im Wettlauf gegen die KI

Das E-Rezept gilt – zumindest außerhalb der Apotheken – als großes Erfolgsmodell der Digitalisierung. Mit der elektronischen Patientenakte (ePA) sollte ein ungleich größeres Vorhaben gestemmt werden. Hier gehen die Bewertungen deutlich auseinander.
AutorAlexander Müller
Datum 24.06.2026  16:20 Uhr

Die »E-Rezept-Enthusiasten« halten an ihrem Namen fest, auch wenn der Verein sich heute mehr um andere eHealth-Projekte kümmert. Beim Parlamentarischen Abend am Dienstagabend ging es um die Frage, wie die ePA die Gesundheitsversorgung spürbar verbessern kann.

Seit rund einem Jahr gibt es die ePA für alle: Mittlerweile wurden 130 Millionen Dokumente hochgeladen, wie Brenya Adjei, Geschäftsführerin der Gematik, berichtet. Das ist gegenüber 1,4 Milliarden eingelösten E-Rezepten noch immer ein Anfang, aber alle Beteiligten gehen davon aus, dass die Nutzung mit jedem Mehrwert steigen wird, den die digitale Akte bringt. Die Volltextsuche etwa soll so ein »Gamechanger« werden.

Deutschland ist bekanntermaßen spät in die Digitalisierung des Gesundheitswesens gestartet, holt mit den jüngsten Großprojekten aus Sicht der Regierung aber mit großem Tempo auf.

Selbst das Bundesgesundheitsministerium (BMG) habe sich konkrete Ziele gesetzt, 20 Millionen aktive ePA-Nutzer zu erreichen, so Philipp Müller, der im Ministerium die Abteilung Digitalisierung und Innovation leitet. Dabei gehören KPI (Key Performance Indicator, messbare Erfolgskennzahlen) eher nicht zum Alltagsvokabular in Ministerien.

TI soll in die Cloud

Und das System soll weniger störanfällig werden. Dazu haben die Gesellschafter der Gematik in der vergangenen Woche einen Grundsatzbeschluss gefasst: Zukünftig soll die Telematikinfrastruktur (TI) in eine Public-Cloud-Infrastruktur umziehen – also weg vom derzeitigen Konnektoren-Modell. »Die Entscheidung steht«, so Müller.

Ein künftiger Patientenpfad könnte Müller zufolge dann so aussehen: Die Ersteinschätzung erfolge über ein – hoffentlich KI-gestütztes – Frage-Antwort-System, und der Patient werde dann digital an die richtige Stelle geschickt, zum Beispiel auch in die telemedizinische Versorgung. Der behandelnde Hausarzt könne am nächsten Tag mit der gesamten Befundung die Behandlung fortsetzen, was enorm Zeit spare. Das setzt aus Sicht des BMG eine möglichst umfangreiche Datennutzung voraus, auch wenn das nicht allen Leistungserbringern gefällt. Müller betonte, dass dies auch künftig nur mit Einwilligung des Patienten geschehen solle.

Janosch Dahmen, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen, zeigte sich in der Diskussionsrunde skeptisch. Die ePA befinde sich in einem brutalen Wettlauf mit proprietären Systemen. Ein ePA-Zugriff im Rettungshelikopter sei heute nicht möglich, das gleiche Problem bestehe in den nicht angeschlossenen Leitstellen. Dabei seien das echte Anwendungsfelder für die ePA. Die Cloud-Lösung sei der richtige Weg.

Mehr von Avoxa