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E-Rezept-Enthusiasten
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ePA im Wettlauf gegen die KI

Das E-Rezept gilt – zumindest außerhalb der Apotheken – als großes Erfolgsmodell der Digitalisierung. Mit der elektronischen Patientenakte (ePA) sollte ein ungleich größeres Vorhaben gestemmt werden. Hier gehen die Bewertungen deutlich auseinander.
AutorAlexander Müller
Datum 24.06.2026  16:20 Uhr

Die »E-Rezept-Enthusiasten« halten an ihrem Namen fest, auch wenn der Verein sich heute mehr um andere eHealth-Projekte kümmert. Beim Parlamentarischen Abend am Dienstagabend ging es um die Frage, wie die ePA die Gesundheitsversorgung spürbar verbessern kann.

Seit rund einem Jahr gibt es die ePA für alle: Mittlerweile wurden 130 Millionen Dokumente hochgeladen, wie Brenya Adjei, Geschäftsführerin der Gematik, berichtet. Das ist gegenüber 1,4 Milliarden eingelösten E-Rezepten noch immer ein Anfang, aber alle Beteiligten gehen davon aus, dass die Nutzung mit jedem Mehrwert steigen wird, den die digitale Akte bringt. Die Volltextsuche etwa soll so ein »Gamechanger« werden.

Deutschland ist bekanntermaßen spät in die Digitalisierung des Gesundheitswesens gestartet, holt mit den jüngsten Großprojekten aus Sicht der Regierung aber mit großem Tempo auf.

Selbst das Bundesgesundheitsministerium (BMG) habe sich konkrete Ziele gesetzt, 20 Millionen aktive ePA-Nutzer zu erreichen, so Philipp Müller, der im Ministerium die Abteilung Digitalisierung und Innovation leitet. Dabei gehören KPI (Key Performance Indicator, messbare Erfolgskennzahlen) eher nicht zum Alltagsvokabular in Ministerien.

TI soll in die Cloud

Und das System soll weniger störanfällig werden. Dazu haben die Gesellschafter der Gematik in der vergangenen Woche einen Grundsatzbeschluss gefasst: Zukünftig soll die Telematikinfrastruktur (TI) in eine Public-Cloud-Infrastruktur umziehen – also weg vom derzeitigen Konnektoren-Modell. »Die Entscheidung steht«, so Müller.

Ein künftiger Patientenpfad könnte Müller zufolge dann so aussehen: Die Ersteinschätzung erfolge über ein – hoffentlich KI-gestütztes – Frage-Antwort-System, und der Patient werde dann digital an die richtige Stelle geschickt, zum Beispiel auch in die telemedizinische Versorgung. Der behandelnde Hausarzt könne am nächsten Tag mit der gesamten Befundung die Behandlung fortsetzen, was enorm Zeit spare. Das setzt aus Sicht des BMG eine möglichst umfangreiche Datennutzung voraus, auch wenn das nicht allen Leistungserbringern gefällt. Müller betonte, dass dies auch künftig nur mit Einwilligung des Patienten geschehen solle.

Janosch Dahmen, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen, zeigte sich in der Diskussionsrunde skeptisch. Die ePA befinde sich in einem brutalen Wettlauf mit proprietären Systemen. Ein ePA-Zugriff im Rettungshelikopter sei heute nicht möglich, das gleiche Problem bestehe in den nicht angeschlossenen Leitstellen. Dabei seien das echte Anwendungsfelder für die ePA. Die Cloud-Lösung sei der richtige Weg.

Sicher, aber zu langsam?

Der Grünen-Politiker hat aber Sorge, dass die zentralen Organisationen nicht mit der Geschwindigkeit der KI-Entwicklung mithalten können und die großen LLM-Modelle ihre eigenen Anwendungen und Angebote zuerst im Markt haben, von der Terminplanung bis zum automatisch generierten Arztbrief. Dahmen selbstkritisch: »Wir haben aus guten Gründen die Sicherheitsarchitektur so gebaut, wie sie ist, aber wir sind viel zu langsam.«

E-Rezept-Enthusiast Christian Klose glaubt dagegen an die Technik. Die Architektur 3.0 ermögliche einen Betreiberausschluss. Jetzt brauche es mehr Spezifikationen für erweiterte Dienste. Perspektivisch werde die KI mehr in der vorhandenen Infrastruktur ermöglichen. Klose wünscht sich zum Beispiel ein einfaches Identifizierungsverfahren, gerade für Fälle, in denen der Versicherte zustimmen muss.

Dahmen sieht aber zusätzlich noch ein Sicherheitsproblem: Aktuell könne nicht nachvollzogen werden, welche Person auf die ePA zugreift. Unberechtigte Zugriffe könnten nicht sanktioniert werden, weil der Zugriff schlicht nicht personenindividuell nachvollzogen werden könne. »Wir können uns glücklich schätzen, dass viele das nicht kapiert haben.«

Während Adjei überzeugt ist, dass vor allem die Versicherten direkte Vorteile erleben müssen, hat SPD-Gesundheitssprecher Matthias Mieves die Leistungserbringer im Blick. »Wenn die ePA für die Leistungserbringer einen Mehrwert hat, werden sie die Multiplikatoren sein.« Das sei der erste Erfolgsfaktor. In anderen Ländern hätten die Patienten in den ersten Jahren gar keinen Zugang zur ePA gehabt. »Die Bürger erwarten, dass die ePA die Versorgung besser macht«, so Mieves.

Erlebbare Vorteile auf Anwenderseite sieht Mieves auch in Bereichen außerhalb der Behandlung von Krankheiten. Der digitale Impfpass ist so ein Beispiel. BMG-Abteilungsleiter Müller bedauert, dass auch das noch etwas dauern wird. Im ersten Schritt werde es nur eine »Impfübersicht« geben, der Impfpass folge später. Gematik-Geschäftsführerin Adjei fasste es so zusammen: »Die ePA wird nie fertig sein, sondern sich immer weiter entwickeln.«

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