Frauen mit einer empfindlichen Vaginalflora sollten auf Slipeinlagen, Strings und einengende Unterwäsche verzichten. / © Adobe Stock/ActionGP
Viele Frauen dürften das kennen: Nach dem Sex steigt ihnen aus dem Schritt ein intensiverer Geruch entgegen. Die Erklärung: Sperma wirkt basisch und kann den pH-Wert des sauren Scheidenmilieus für kurze Zeit verschieben – mit Auswirkungen auf den Geruch. Dass sich der Intimgeruch bei Frauen vorübergehend verstärkt, ist ganz normal und muss Frauen nicht zwangsläufig Sorge bereiten. Auch die Menstruation, enge Kleidung oder Schwitzen können sich auf den Geruch auswirken, so die Frauenärztin Stephanie Eder. »Entscheidend ist, ob der Geruch zu dem üblichen Muster der Frau passt«, sagt die Expertin des Berufsverbandes der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF).
Aber was genau riecht da eigentlich? Da ist zum einen das Vaginalsekret, das den Intimbereich befeuchtet und schützt. Dieses Sekret setzt sich aus verschiedenen Körperflüssigkeiten zusammen, die unter anderem die Vaginalschleimhaut und Drüsen des Gebärmutterhalses abgeben. Dazu kommen Sekrete aus dem äußeren Genitalbereich. Ebenso wichtig ist die Vaginalflora, also die Mikroorganismen, die die Scheide von Natur aus besiedeln. Dieses ganz individuelle Zusammenspiel aus Vaginalsekret und Vaginalflora bestimmt, wie es im Schritt riecht. »Der Geruch variiert individuell und wird etwa durch das Alter, den Hormonstatus, die Zyklusphase oder auch eine Schwangerschaft beeinflusst«, sagt Eder.
Verändert sich der Geruch stark oder kommt einem auf einmal unangenehm, beispielsweise fischig oder faulig, vor, sollten Frauen das der Expertin zufolge ernst nehmen und in einer gynäkologischen Praxis abklären lassen. Das gilt noch einmal mehr, wenn der auffällige Geruch weitere Beschwerden wie Juckreiz, Brennen, Rötungen, Schmerzen, Fieber oder einen auffälligen Ausfluss im Gepäck hat. Dahinter kann zum Beispiel eine bakterielle Vaginose stecken. Die »guten« Milchsäurebakterien der Vaginalflora werden dann von anderen Bakterien verdrängt. Behandeln lässt sich eine bakterielle Vaginose mit Antibiotika.
Was tun, damit es gar nicht erst so weit kommt? Bei der Reinigung und Pflege lautet das Motto: Weniger ist mehr. Parfümierte Seifen und Duschgels, innere Vaginalduschen, Intimdeos – all das sparen sich Frauen im Intimbereich lieber. »Die Vagina ist selbstreinigend«, sagt Gynäkologin Eder. Somit reicht es völlig aus, den äußeren Teil des Geschlechtsorgans mit Wasser und »maximal einer milden, unparfümierten Seife« zu reinigen.
Frauen mit einer empfindlichen Vaginalflora rät Stephanie Eder dazu, auf Slipeinlagen, Strings und einengende Unterwäsche lieber zu verzichten. Sie schaffen ein feuchtwarmes Klima, in dem sich Bakterien vermehren können, die nicht unbedingt hilfreich sind.