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DARPin-Technologie
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Ensovibep als Covid-19-Medikament

DARPin. Schon einmal gehört? Wahrscheinlich nicht. Dabei befindet sich mit Ensovibep ein DARPin in Studien der Phasen II und III bei Covid-19. Kurz zusammengefasst handelt es sich um einen multispezifischen Mini-Antikörper. Mehr Details folgen hier.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 21.10.2021  17:00 Uhr

DARPin ist die Abkürzung für Designed Ankyrin Repeat Proteins. Es handelt sich um künstliche Proteine, die strukturell von Ankyrin-Proteinen des Körpers abgeleitet sind. Ankyrine sind wichtig für die Bindung des Zytoskeletts an Membranproteine der Zellmembran.

DARPins sind deutlich kleiner als Antikörper, aber auch in der Lage, Antigene zu erkennen und zu binden. Man kann inzwischen auf eine Bibliothek von Billionen verschiedener DARPin-Moleküle zurückgreifen, um diejenigen zu finden, die am besten an verschiedene Ziele binden. Mehrere DARPins können aneinandergekoppelt werden, um an unterschiedlichen Zielen mit hoher Affinität und Spezifität zu binden.

Ein Vorteil gegenüber anderen proteinbasierten Ansätzen ist die Möglichkeit, sie durch bakterielle Fermentation auf E. coli-Basis zu produzieren. Das kann helfen, Zeit und Kosten zu sparen. Zudem können DARPins einfacher gelagert werden. Dies sei bei 4 °C über Jahre möglich, heißt es beim Biotechunternehmen Molecular Partners, das seit Jahren an Arzneistoffen auf Basis der DARPin-Technologie arbeitet.

In der Augenheilkunde und in der Onkologie gibt es bereits seit Längerem mögliche Wirkstoffkandidaten. Mit MP0423, das sich in der Präklinik befindet, und Ensovibep, das in klinischen Studien getestet wird, hat Molecular Partners auch zwei potenzielle Covid-19-Medikamente in der Pipeline. Diese werden in Zusammenarbeit mit Novartis weiterentwickelt.

MP0423 besteht aus insgesamt fünf DARPins. Drei davon zielen auf drei verschiedene Teile des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 ab: die Rezeptor-Bindungsdomäne, die S1-N-terminale Domäne und die S2-Domäne. Hinzu kommen zwei DARPins, die an humanes Serumalbumin binden, was die Verweilzeit im Körper deutlich verlängert.

Weiter in der Entwicklung zum Covid-19-Mittel vorangeschritten ist Ensovibep. Es besteht ebenfalls aus insgesamt fünf DARPins, von denen wieder zwei an humanes Serumalbumin binden. Die drei anderen docken an drei unterschiedlichen Stellen der Rezeptor-Bindungsdomäne des Spike-Proteins an.

Wirksam gegen Virusvarianten

Ensovibep wird derzeit in zwei klinischen Studien untersucht. Empathy ist eine Phase-II/III-Studie mit mehr als 2000 nicht hospitalisierten Covid-19-Patienten. Bei Activ-3 handelt es sich um eine große Phase-III-Studie mit rund 10.000 hospitalisierten Patienten, in der gleich mehrere Covid-19-Hoffnungsträger untersucht werden. In einem Behandlungsarm dieser Studie erhalten die Patienten zusätzlich zur Standardtherapie eine einmalige intravenöse Infusion von 600 mg Ensovibep.

Im Rahmen einer Konferenz der International Society for Influenza and other Respiratory Virus Diseases machte Molecular Partners gestern darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, Ensovibep kontinuierlich auf seine Wirksamkeit gegen neue Virusvarianten von SARS-CoV-2 zu testen. Positiv: Ensovibep habe in vitro gezeigt, dass es die Wirkung gegen alle bisher bekannten bedenklichen Varianten des Virus aufrechterhält. Es biete einen mit monoklonalen Antikörper-Cocktails vergleichbaren Schutz mit Blick auf die Entwicklung von Escape-Mutationen in Viruspassagen-Experimenten.

Mit Interesse darf man auf die Daten aus den genannten Studien warten. Sollten diese positiv sein, wäre das sicher ein wichtiger Schritt in Richtung Covid-19-Medikament. Novartis informierte bereits Mitte des Jahres in einer Pressemitteilung, dass überzeugende Ergebnisse den Weg für den Antrag einer Notfallzulassung in den USA ebnen könnten.

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