| Jennifer Evans |
| 01.06.2026 08:00 Uhr |
Mimik ist grundlegend für menschliche soziale Interaktion. Doch inzwischen reichen dem Gehirn Emojis als Stellvertreter für Gesichtsausdrücke. / © Shutterstock/New Africa
Vielleicht sollten wir jede WhatsApp-Nachricht oder E-Mail künftig vor dem Senden noch einmal gründlich überdenken. Denn das Gehirn interpretiert Emojis in Textnachrichten offenbar nicht nur als lustiges Beiwerk, sondern misst ihnen soziale Bedeutung zu. Das hat eine Studie der Bournemouth Universität um die Psychologin und Doktorandin Madeline Molly Ely gezeigt.
In den Experimenten betrachteten die Teilnehmenden entweder reale menschliche Gesichter oder Emojis mit emotionalen Ausdrücken wie Freude, Wut oder Traurigkeit, während die Forschenden die neuronalen Aktivitäten per Elektroenzephalogramm (EEG) aufzeichneten.
Die Muster der Hirnaktivität der beiden Gruppen ähnelten sich stark – insbesondere in jenen Regionen, die mit der Gesichtsverarbeitung in Verbindung stehen. Bereits nach rund 145 bis 160 Millisekunden reagierten die okzipitalen und parietalen Hirnregionen auf Emojis ähnlich schnell wie auf echte Mimik. Für die digitale Kommunikation bedeutet das: Ein Emoji ist deutlich mehr als nur typografische Dekoration.
Da allein ein Emoji-Reiz neuronale Reaktionen hervorrufen könne, die mit denen von realer Mimik vergleichbar sind, nutze das Gehirn offenbar überlappende Codes für natürliche und symbolische Ausdrücke, schreiben die Forschenden. Es scheine also flexibel darin zu sein, selbst stark abstrahierte Zeichen als soziale Signale zu werten.
Die Ergebnisse, die im Fachjournal »Psychophysiology« publiziert sind, zeigen laut Autorenteam unter anderem, wie sich die menschliche soziale Wahrnehmung in einer zunehmend onlinebasierten Welt anpasst.