Untersuchungen zufolge favorisieren Eltern bestimmte Kinder. Generell geben sie Mädchen sowie pflichtbewussten Kindern den Vorzug. / © Adobe Stock/Igor
Eltern bekommen im Vergleich zu früher weniger Kinder. Die Geburtenrate lag laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2024 bei 1,35 Kindern pro Frau – 2 Prozent niedriger als noch im Vorjahr. Entsprechend hoch seien Erwartungen an die Elternschaft, aber auch an das Kind, sagt Anna-Lena Zietlow, Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie an der Technischen Universität Dresden. »Man will das Allerbeste für sein Kind. Dieses muss aber auch gut ins Leben passen – überspitzt formuliert.«
Vor Generationen noch wünschten sich Eltern einen männlichen Nachkommen, der etwa den Hof erben konnte. Doch mittlerweile wiesen einige Studien darauf hin, dass es in westlichen Kulturen eine Präferenz für Mädchen geben könnte, sagte die Forscherin vor kurzem.
»Ich denke, da spielen auch ganz viele Geschlechtsstereotypen eine Rolle«, sagt sie. Mädchen gelten als angepasster, fürsorglicher und fleißiger. Jungen seien dagegen wilder, neigen eher zu Gewalt und sind schlechter in der Schule, heißt es oft.
Unter dem Hashtag »Gender Disappointment« – also Geschlechtsenttäuschung – finden sich etwa auf Tiktok viele Videos von enttäuschten Eltern, weil ihr Baby nicht das gewünschte Geschlecht hat. Das scheint häufiger der Fall zu sein, wenn das Baby ein Junge ist. Auch in Internet-Foren für Eltern berichten Frauen, dass sie sich immer ein Mädchen gewünscht hätten und nun damit haderten, dass es doch ein Junge sei.
Zudem favorisierten viele Eltern bestimmte Kinder. Generell erhielten oft Mädchen sowie besonders pflichtbewusste und umgängliche Kinder den Vorzug, berichtete im vergangenen Jahr ein Forscherduo im Fachblatt »Psychological Bulletin«. Der Auswertung zufolge präferierten Eltern tendenziell Mädchen eher als Jungen – und zwar nicht nur Mütter, sondern auch Väter.
Außerdem erhielten gewissenhafte, verantwortungsbewusste Kinder den Vorzug. In beiden Fällen waren die Effekte zwar nur leicht ausgeprägt. Allerdings sollten Eltern sich dessen bewusst sein, schreiben die Hauptautoren Alexander Jensen von der US-amerikanischen Brigham Young University in Provo und McKell Jorgensen-Wells von der kanadischen Western University.