| Lukas Brockfeld |
| 15.10.2026 16:00 Uhr |
Die Covid-19-Pandemie habe die gesamte politische Entwicklung auf den Kopf gestellt. »Auf einmal waren die Apotheker fast die Einzigen, die dem Virus getrotzt haben. Sie haben weiter Kunden durch Plexiglasscheiben versorgt, hatten keine Angst, Medikamente abzugeben, und haben in großer Anzahl Arzneimittel und Desinfektionsmittel hergestellt«, erinnerte sich Georg Engel.
Der Kammerpräsident bedauerte, dass die EU-Gesetzgebung dafür sorge, dass immer weniger Arzneimittel in Apotheken hergestellt werden. »Ich bin beunruhigt und traurig. In einer Krisensituation brauchen wir Resilienz und kleinteilige Anbieter von hergestellten Arzneimitteln. Eventuell können wir das nicht mehr, weil wir das im Routinebetrieb nicht mehr dürfen.« Engel erinnerte sich an seine Approbation im Jahr 1986. Schon damals habe der Chef seiner Lehrapotheke bedauert, dass die Arbeit des Nachwuchses stark eingeschränkt werde. »Heute dürfen wir noch viel weniger. Dem müssen wir entgegentreten.«
Das jüngste Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) habe die Möglichkeiten der Apotheken jedoch auch erweitert. Außerdem könne die Apothekerschaft bald das Fixum mit den Krankenkassen verhandeln.
Georg Engel beendete seinen Abschiedsbericht mit einer positiven Botschaft: »Wir sind ein stolzer Berufsstand. Wir haben uns schon im Mittelalter von den Ärzten getrennt. Wir haben die Chemie entscheidend beeinflusst und aus den Apotheken heraus die deutsche Pharmaindustrie entwickelt. Danach haben wir uns auf die Abgabe von Fertigarzneimitteln gestürzt, die Patienten beraten und viele Medikationsfehler korrigiert. Das sind Leistungen in der Apotheke, die von der Gesellschaft nur selten gesehen werden.«
Jetzt dürften Apotheken außerdem pDL erbringen, impfen und auch in der Primärversorgung eine Rolle spielen. Hier müsse sich die Apothekerschaft gegenüber anderen Akteuren im Gesundheitswesen beweisen. »Unser Berufsstand hat über die Jahrhunderte vielfältige Wandel erfahren. Unsere größte Stärke war dabei unsere solide naturwissenschaftliche Ausbildung, die es uns ermöglicht, die Dinge rational und wissenschaftlich zu betrachten«, sagte Georg Engel. Er wolle die Apothekerinnen und Apotheker dazu ermuntern, sich am Wandel ihres Berufes zu beteiligen und sich um die Patientinnen und Patienten zu kümmern.
Neben Georg Engel wurde auch Petra Verhoeven nach 32 Jahren aus dem Vorstand verabschiedet. Verhoeven erklärte, dass sie ihre langjährige Tätigkeit im Vorstand sehr genossen habe, insbesondere die Gespräche mit der Politik und die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen. »Das werde ich vermissen«, sagte die Apothekerin.