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Elektronische Patientenakte
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Ein Jahr ePA – eine Bilanz

Ein Jahr gibt es sie jetzt: die ePA für alle, wie sie so schön heißt. Am 15.Januar 2025 war die Einführung der elektronischen Patientenakte gestartet. Während die Kassenseite positive Bilanz zieht, fällt die Resonanz seitens der Pharmabranche verhalten aus.
AutorKontaktEv Tebroke
Datum 15.01.2026  13:00 Uhr

Am 15. Januar 2025 war Stichtag. Dann begann hierzulande die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) für alle gesetzlich Krankenversicherten. Und bis Mitte Februar hatten alle Kassen ihren Versicherten eine solche Anwendung zur Verfügung gestellt – wenn diese nicht aktiv widersprochen hatten (opt-out).

Parallel wurde das neue digitale Tool in drei Modellprojekten Hamburg und Umland, Franken sowie in Teilen NRWs erprobt. Am 29. April startete dann der bundesweite Roll-out, seither kann die ePA von Praxen, Krankenhäusern und Apotheken genutzt werden. Während die Nutzung für die Versicherten nach wie vor freiwillig ist, ist sie für alle Leistungserbringer seit dem 1. Oktober 2025 verpflichtend.

Die Techniker Krankenkasse (TK), mit rund 12 Millionen Versicherten Deutschlands größte Kasse, zieht bislang eine positive Bilanz. »Die elektronische Patientenakte ist 2025 erfolgreich gestartet«, resümiert TK-Chef Jens Baas anlässlich des Jahrestags. Rund 85 Prozent der Arztpraxen hätten bereits auf Akten zugegriffen. Als besonders erfreulich bewertet Baas, dass die elektronischen Medikationslisten in den Arztpraxen millionenfach genutzt würden.

Dies belegen auch Zahlen der Gematik. Laut TI-Dashboard wurden in der vergangenen Woche (stand heute 15. Januar 2026) knapp 25 Millionen solcher Medikationslisten durch medizinische Einrichtungen geöffnet. Insgesamt nutzten in den vergangenen 12 Wochen rund 117.000 Institutionen die ePA, davon knapp 10.500 Apotheken.

Verhaltene Nutzung durch Versicherte

Was die Nutzung durch die Versicherten angeht, so sind die Zahlen allerdings noch sehr mau. Laut TK verwenden 900.000 ihrer Versicherten die ePA aktiv – also bislang nur ein kleiner Teil. Für Baas ist das kein schlechtes Zeichen. Der rege Abruf der Medikationslisten zeige, dass die ePA ihrer Ursprungsidee gerecht wird, die medizinischen Informationen eines Patienten oder einer Patientin an einem Ort zu speichern und so die Behandlung zu unterstützen, so Baas.

Bei den Versicherten steige die Zahl der Zugriffe, im Dezember verzeichnete die TK 560.000 Logins. »Die Zahl entspricht unseren Erwartungen«, kommentiert der TK-Chef die noch verhaltene Nutzung. Die Akten müssten jetzt erstmal gefüllt werden, erst wenn darin relevante Informationen über längere Zeit zusammenlaufen, würden sie zur wertvollen Unterstützung für die Gesundheit.

Die ePA-Anwendung gilt als das Kernelement der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Informationen wie Befunde, Laborergebnisse und Verordnungen laufen automatisch in der Akte zusammen. Sie ermöglicht so einen Überblick und macht gezieltere Behandlungen möglich. Gleichzeitig werden die Gesundheitsdaten pseudoanonymisiert an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weitergeleitet, wenn der Versicherte dem nicht widerspricht. Der Datenpool soll Forschung und Versorgung spürbar voranbringen. Unter anderem ist es damit möglich, Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneimitteln unter realen Versorgungsbedingungen besser zu verstehen und so passgenauere Therapien zu entwickeln.

Pharmabranche sieht bislang Chancen verschenkt

Für die Pharmabranche ist die ePA-Nutzung bislang noch unbefriedigend. Laut einer Umfrage im Auftrag des Herstellerverbands Pharma Deutschland würden zwar 80 Prozent der Befragten die ePA kennen, aber nur 20 Prozent hätten sie bislang verwendet. »Damit bleibt ein zentrales Versprechen der Digitalisierung im Gesundheitswesen unerfüllt: Patientinnen und Patienten spüren die Vorteile der ePA und den Nutzen ihrer Daten noch viel zu selten unmittelbar«, heißt es vonseiten des Verbands.

»Die ePA ist technisch da, aber im Alltag noch nicht angekommen«, sagt Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann. »Solange nur eine Minderheit die ePA aktiv nutzt, verschenken wir Chancen: für bessere Diagnosen, sicherere Arzneimitteltherapien und eine Medizin, die wirklich aus den Erfahrungen von Millionen Patientinnen und Patienten lernt.« Brakmann unterstreicht: »Je stärker die ePA genutzt wird, desto mehr kommt der Mehrwert der Sekundärnutzung direkt bei den Menschen an – von innovativen Medikamenten bis hin zu maßgeschneiderten Versorgungsangeboten.«

Ein Grund für die verhaltene Nutzung ist der komplizierte mehrstufige Anmeldungsprozess zur Aktivierung der Akte. Das räumt auch Kassenchef Baas ein: »Die hohen Sicherheitsanforderungen machen die Registrierung für die ePA deutlich komplizierter als bei kommerziellen Apps«, so Baas. Das führe dazu, dass viele Nutzer die Anmeldung abbrechen.

Bislang ist ein mehrstufiges Anmeldeverfahren erforderlich, bei dem neben einem NFC-fähigen Smartphone und einer NFC-fähigen elektronischen Gesundheitskarte (eGK) auch ein PIN erforderlich ist, der von der Kasse angefordert werden muss. Die Anmeldung ist zudem via Personalausweis mit der elektronischen ID möglich. Alternativ bieten manche Kassen eine Anmeldung vor Ort in ihren Kundenzentren oder per Video-Ident an. 

Um die ePA bekannter zu machen, hat das Bundesministerium für Gesundheit Ende 2025 eine digitale Informationskampagne zur Akte gestartet.

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