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Menstruationstassen

Ein Alternative zum Tampon?

Menstruationstassen liegen im Trend. Immer mehr Frauen nutzen sie anstelle von Tampon und Binden, da sie Müll vermeiden und Geld sparen. Was bei der Anwendung zu beachten ist, war ein Thema der Fortbildungsakademie der Frauenärzte in Düsseldorf.
Christina Hohmann-Jeddi
11.03.2019
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»Das Thema Menstruationstassen kommt in Fahrt«, berichtete Dr. Eva Neunhoeffer, Gynäkologin aus Tübingen. Dies sei an steigenden Verkaufszahlen, Marktanteilen und auch an vermehrten Nachfragen zur Anwendung in ihrer Praxis zu erkennen. Menstruationstassen, auch Moon Cups oder Menstruationsbecher genannt, sind weich und trichterförmig und werden in die Vagina eingeführt, um das Menstruationsblut aufzufangen. Nach einer gewissen Zeit werden sie dann entnommen, ausgeleert, gespült und wieder eingesetzt.

»Im Prinzip sehen sie aus wie eine umgedrehte Zipfelmütze«, verdeutlichte die Ärztin. Oben am Trichter sitzt ein verstärkter Rand, der dafür sorgt, dass die Tasse nach dem Zusammendrücken beim Einführen wieder in die ursprüngliche Form zurückspringt. Der Trichter selbst hat in der Regel kleine Luftlöcher, um beim Entfernen den Unterdruck lösen zu können. Um die Menstruationstasse greifen zu können, befindet sich unten am Trichter ein kleiner Griff beziehungsweise Stiel.

Erfunden wurden die Moon Cups schon vor mehr als 100 Jahren in den USA. Ein Patent meldete 1937 die Amerikanerin Leona Chalmers an. »Damals waren die Materialien aber noch nicht so, dass sich die Tassen durchsetzen konnten«, berichtete Neunhoeffer. Heute werden die Tassen aus weichen Materialien, hauptsächlich aus medizinischem Silikon oder Latex hergestellt.

Zur Anwendung: Vor der ersten Verwendung und nach jedem Zyklus müssen die Tassen durch Abkochen sterilisiert werden. Für das Einführen müssen die Produkte gefaltet werden, wobei es verschiedene Techniken gibt, über die man sich im Internet informieren kann, berichtete die Ärztin. In der Scheide klappt die Tasse wieder auf. »Mit den Fingern muss man noch einmal tasten, ob sie richtig sitzt«, so Neunhoeffer. Sie sollte im unteren bis mittleren Scheidendrittel sitzen, sodass der Stiel nicht mehr zu sehen ist beziehungsweise nicht mehr nach außen schaut. Je nach Produkt können die Tassen acht bis zwölf Stunden getragen werden und ein Volumen von 15 bis 50 ml aufnehmen. Zum Herausnehmen werden sie leicht zusammengedrückt. Die Auswahl der Größe hängt von der Blutungsstärke und dem Körperbau der Frau ab. »Manche probieren drei bis vier Produkte aus, bis sie das passende gefunden haben«, berichtete Neunhoeffer.

Der Vorteil der Tassen ist, dass sie ökologisch und ökonomisch sinnvoll sind. Sie sparen Kosten und vermeiden Müll. Denn im Laufe eines Lebens verbrauchen Frauen etwa 10.000 bis 17.000 Tampons und Binden. Eine Tasse hält im Schnitt laut Herstellerangaben etwa 10 bis 15 Jahre, die Anschaffungskosten liegen bei 10 bis 30 Euro.

Spiralen-Anwenderinnen müssen aufpassen

Die Tassen sind aber nicht für alle Frauen geeignet. Da sie nicht sehr eng gefaltet werden können, wie Neunhoeffer berichtete, sind sie für schmal gebaute junge Frauen eher nicht zu empfehlen. Da es laut Packungsangaben auch zu Deflorationen kommen kann, als das Jungfernhäutchen Schaden nehmen kann, ist die Verwendung auch nicht unbedingt für jungfräuliche Mädchen geeignet. »Frauen mit gutem Körpergefühl, die auch keine Angst haben, blutige Hände zu bekommen, kommen als Anwenderinnen infrage.« Aufpassen müssen Frauen, die mit Spiralen verhüten, da sich diese durch die Verwendung der Tassen verschieben können, was deren Entfernung erschweren kann. Diesen Hinweis hat die Frauenärztin mittlerweile in ihre Beratung mit aufgenommen.

Zu einem anderen Thema, dem Toxic Shock Syndrome, kann sie aber beruhigen. Dieses tritt unter der Verwendung von Menstruationstassen nicht häufiger auf als bei Frauen, die Tampons verwenden. Insgesamt ist das Risiko für das potenziell lebensgefährliche Kreislauf- und Organversagen sehr gering: Es betrifft etwa ein bis zwei von 100.000 Frauen. Ursache sind toxinbildende Bakterien der Art Staphylococcus aureus (seltener Streptokokken), die eine lokale oder systemische Infektion hervorrufen können, etwa wenn ein Tampon zu lange nicht gewechselt wird und die Erreger sich stark vermehren können. Wichtig ist sowohl bei der Verwendung von Tampons als auch von Menstruationstassen, dass man sich vor dem Einsetzen gründlich die Hände wäscht. 

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