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Weihnachten im Kreißsaal

Echte Christkinder

Auf den Geburtsstationen ist Weihnachten ein Tag wie jeder andere. «Doch wenn so ein Christkind geboren wird, ist das schon ein besonderer Moment», sagt der Chef der Kieler Universitätsfrauenklinik.
dpa
21.12.2018
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Auf den Geburtsstationen sei Weihnachten ein Tag wie jeder andere, sagte der Direktor der Kieler Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Nicolai Maass. Auch in der Lübecker Universitätsfrauenklinik und im Lübecker Marien-Krankenhaus gibt es keine Sonderregelungen zu Weihnachten. Denn Babys kommen, wann sie kommen wollen.

«Früher gab es das mal, dass die Zahl der Kaiserschnitte in der Woche besonders hoch war, um spontane Geburten am Wochenende und an Feiertagen zu vermeiden. Doch das ist lange vorbei», sagt Maass. Heute dagegen gebe es Kaiserschnitte und künstlich eingeleitete Geburten nur bei entsprechender medizinischer Notwendigkeit. «Auf Feiertage nehmen wir keine Rücksicht. Irgendwas ist schließlich immer los», sagt der Klinikchef. Deshalb sei der Kreißsaal auch an Weihnachten ganz normal besetzt.

Gleiches gilt auch für die Entbindungsstation der Uniklinik Lübeck und des Lübecker Marien-Krankenhauses. «Aus medizinischen Gründen geplante Kaiserschnitte werden allerdings nicht gerade auf die Feiertage gelegt. Ansonsten lassen wir uns überraschen», sagt Ute Röder, Pflegedirektorin des Marien-Krankenhauses und selbst Hebamme. «In manchen Jahren haben wir am 24. Dezember keine einzige Geburt und in anderen Jahren herrscht an dem Tag im Kreißsaal Hochbetrieb», sagt sie.

«Auch bei uns ist der Kreißsaal an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr mit zwei bis drei Hebammen und zwei Ärzten besetzt», sagte die Leiterin der Geburtshilfe der Lübecker Uniklinik, Verena Boßung. «Babys halten sich nicht an Zeitpläne, auch wenn Eltern sich das manchmal anders wünschen», sagt sie. Denn gelegentlich äußerten Schwangere den Wunsch, den für Weihnachten errechneten Entbindungstermin vorzuziehen, sagt Boßung. «Aber darauf lassen wir uns nicht ein», versichert sie.

«Eine medizinische Begründung lässt sich meist problemlos finden», sagt dagegen Anke Bertram, Vorsitzende des Hebammenverbandes Schleswig-Holstein. Es sei nicht immer der Wunsch der Frauen, wenn Geburten noch kurz vor den Feiertagen eingeleitet würden, sagt sie. «Oft geht es auch darum, den Kreißsaal möglichst leer zu halten, auch wenn darüber ungern gesprochen wird», sagt sie. Bei aller Routine sind Weihnachtsgeburten nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Hebammen und Ärzte immer noch etwas Besonderes. «Wenn ein Christkind geboren wird, ist das schon ein besonderer Moment», sagt Maass.

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