Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Westfalen-Lippe
-
E-Rezept-Testphase startet mit Papierausdrucken

Morgen beginnt die E-Rezept-Testphase in Westfalen-Lippe. Bis die Weiterleitung von E-Rezepten über die elektronische Gesundheitskarte möglich ist, werden die beteiligten Praxen E-Rezepte auf Papier ausdrucken. Das hat die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe angekündigt.
AutorKontaktAnne Orth
Datum 31.08.2022  09:00 Uhr

Ab dem 1. September sollte das E-Rezept eigentlich in Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe getestet werden. Doch am 22. August gab die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) überraschend bekannt, sich aus Datenschutzgründen aus der Testphase zurückzuziehen. Hintergrund war, dass die Landesbeauftragte für Datenschutz Schleswig-Holstein, Marit Hansen, grundsätzliche Bedenken bezüglich der E-Rezept-Weiterleitung via Mail, SMS oder Smartphone-App geäußert hatte.

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hält hingegen wie geplant am Rollout fest. Während sämtliche Apotheken in Westfalen-Lippe ab morgen E-Rezepte annehmen können, sind nach Angaben der KVWL von etwa 10.000 Kassenärzten in Westfalen-Lippe etwa 250 Medizinerinnen und Mediziner zum Auftakt der Testphase am 1. September dabei.

Eine von ihnen ist Anna Maria Malik, die im Dortmunder Nordosten praktiziert. Am 11. Februar 2022 stellte die Internistin das erste offizielle E-Rezept in ihrer Praxis aus. Inzwischen haben die Ärztin und ihr Team schon mehr als 3000 elektronische Verordnungen ausgestellt. Die Internistin fühlt sich gut vorbereitet, heißt es in einer Mitteilung der KVWL. Sie habe sich bewusst für die Teilnahme am Rollout entschieden. Das E-Rezept könne dazu beitragen, Zeit zu sparen, da die händische Unterschrift des Arztes künftig wegfiele. Da das E-Rezept auch per Videosprechstunde ausgestellt werden könne, könnten sich Patenten zum Teil auch den Weg in die Praxis sparen.

KVWL: Weiterleitung muss in drei Monaten per EGK möglich sein

Vollständig digital kann die Einführung elektronischer Verordnungen allerdings nicht erfolgen. »In den ersten Wochen werden die Rollout-Praxen lediglich einen Papierausdruck erstellen können«, informierte KVWL-Vorstand Thomas Müller. Die KVWL erwarte von der Gematik, dem Bundesgesundheitsministerium und den Apothekenverwaltungssystem-Herstellern, dass das E-Rezept spätestens in drei Monaten mit der Gesundheitskarte in der Apotheke abgerufen und eingelöst werden könne, betonte Müller. Am Montag hatte die Gesellschafterversammlung der Gematik beschlossen, dass die Möglichkeit, E-Rezepte künftig auch über die elektronische Gesundheitskarte (EGK) weiterzuleiten, schnellstmöglich umgesetzt werden soll. Einen konkreten Zeitplan für dieses neue Verfahren gibt es allerdings nicht.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will sich ebenfalls für eine schnellere Einführung elektronischer Verordnungen einsetzen. Datenschutzfragen müssten gelöst werden, sagte der Minister während des Besuchs einer Berliner Arztpraxis am 26. August. Er sprach sich zudem für die Möglichkeit aus, digitale Rezept-Codes außer über die Gematik-App auch per Mail oder SMS zu übermitteln. Wie Lauterbach diese beiden Weiterleitungsmöglichkeiten datenschutzrechtlich etablieren will, erklärte er allerdings nicht.

SpiFa fordert mehr Benutzerfreundlichkeit

Kurz vor Beginn der E-Rezept-Testphase hat sich auch der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) zu Wort gemeldet. Der SpiFa begrüße zwar grundsätzlich das Vorhaben der Bundesregierung, die Digitalisierung und damit die Modernisierung und Vernetzung des Gesundheitswesens voranzutreiben, sieht bei der Ausgestaltung jedoch erheblichen Verbesserungsbedarf. Besonderer Handlungsbedarf bestehe bei der Benutzerfreundlichkeit und dem Gesamtnutzen – sowohl für die Patienten als auch für die Praxen. So kritisiert der Verband den aktuellen Hinweis der Gematik an die KVSH, demzufolge eine Übermittlung eines E-Rezeptes per E-Mail nie geplant gewesen sei. Die alleinige Nutzungsmöglichkeit des E-Rezeptes per App dürfte laut SpiFa vielen älteren Menschen Probleme bereiten. NFC-taugliche Gesundheitskarten fehlten, hingegen empfingen 80 Prozent der Deutschen täglich E-Mails. »Wir brauchen niedrigschwellige Angebote, die einerseits von den Patienten leicht verstanden werden und einfach zu bedienen sind und andererseits Arbeitsprozesse vereinfachen«, fordert SpiFa-Vorstandsmitglied Norbert Smetak.

Die KVWL hat ein PR-Video zum Start der E-Rezept-Phase produziert. Dieses finden Sie hier:

Mehr von Avoxa