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Epstein-Barr-Virus

Durchbruch bei der Impfstoffentwicklung

Bislang gibt es keine Impfung gegen das weit verbreitete Epstein-Barr-Virus. Forschern des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) ist nun ein entscheidender Fortschritt gelungen.
Daniela Hüttemann
09.01.2019
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Schätzungen zufolge sind mehr als 90 Prozent der Weltbevölkerung mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) infiziert. Als Erstinfektion kann der Erreger aus der Familie der Herpesviren eine infektiöse Mononukleose, das Pfeiffersche Drüsenfieber, auslösen. Oft verläuft eine Infektion jedoch symptomlos, vor allem bei Kindern, und hat keine Folgen, denn das Virus ist gut an den menschlichen Körper angepasst. Es verbleibt dort lebenslang, doch das Immunsystem kann den Erreger normalerweise gut unter Kontrolle halten – jedoch nicht immer. Er kann auch Krebs auslösen und steht unter Verdacht, Autoimmunerkrankungen wie die Multiple Sklerose (MS) zu begünstigen.

»Wir benötigen daher dringend einen Impfstoff gegen EBV« sagt Henri-Jacques Delecluse vom DKFZ. Bisherige experimentelle Impfstoffe konnten keinen genügenden Schutz hervorrufen. Gemeinsam mit Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums München und der Universität Heidelberg hat das Team um Delecluse nun eine neue Strategie für einen Impfstoff entwickelt, von dem es sich den Durchbruch verspricht, wie es im Fachjournal »PLOS Pathogens« berichtet.

Das zentrale Problem bei der Entwicklung einer Schutzimpfung gegen EBV liege darin, dass das Virus in seinem Lebenszyklus verschiedene Phasen durchläuft: Direkt nach der Infektion befindet es sich meist in einer latenten Phase, in der es scheinbar ruhig in infizierten B-Zellen des Immunsystems verbleibt und sich gemeinsam mit den B-Zellen bei deren Zellteilung vermehrt, heißt es in einer Pressemitteilung des DKFZ. Diese latente Phase sei jedoch alles andere als harmlos, da hier beispielsweise Lymphome entstehen können. Wird das Virus reaktiviert, entstehen in der lytischen Phase neue Viruspartikel, die freigesetzt werden. »In beiden Phasen stellt EBV ein sehr unterschiedliches Repertoire an Virusproteinen her«, erklären die DKFZ-Forscher.

Verschiedene Virusstadien abdecken

»Bisherige Versuche, einen Impfstoff zu entwickeln, nahmen insbesondere ein Protein aus der Virushülle ins Visier«, so Studienleiter Delecluse. »Das bedeutet aber, dass der Impfstoff das Immunsystem nur auf EBV in der lytischen Phase vorbereitet.« Denn eine Immunantwort, die auf das Hüllprotein abzielt, könne nur erfolgreich sein, wenn freie Viruspartikel im Körper vorhanden sind. Frühere Studien mit solchen Impfstoffkandidaten hätten gezeigt, dass die Probanden nicht vor einer späteren Infektion mit EBV geschützt waren. Impfversuche, die sich ausschließlich gegen Proteine der latenten Phase richteten, seien ebenfalls erfolglos gewesen.

»Wir wissen, dass sich die Immunantwort bei gesunden EBV-infizierten Menschen gegen Proteine beider Lebensphasen richtet«, sagt Delecluse. »Daher lag es für uns auf der Hand, einen Impfstoff zu entwickeln, der dies berücksichtigt und ebenfalls Antigene aus beiden Phasen enthält.« Wie andere Gruppen zuvor benutzte sein Team virusähnliche Partikel, Virushüllen ohne Erbmaterial des Erregers, gegen die der Körper eine Immunantwort aufbauen kann. Neu sei nun, dass das DKFZ-Team diese Partikel zusätzlich mit Proteinen der latenten Phase ausgestattet hat.

Die Forscher testeten den experimentellen Impfstoff an Mäusen, deren Knochenmark durch humanes Knochenmark ersetzt worden war. Dadurch waren die Tiere mit einem weitgehend menschlichen Immunsystem ausgestattet. Nach der Injektion entwickelten die Mäuse eine spezifische Immunantwort, an der auch T-Zellen beteiligt waren, und waren vor einer Infektion mit EBV geschützt.

»Wir haben bewiesen, dass dieser Ansatz für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen EBV prinzipiell funktioniert«, sagt Delecluse. AIs nächstes gehe es darum, diesen Prototyp einer EBV-Schutzimpfung weiterzuentwickeln und Schritt für Schritt für den Einsatz bei Menschen zu prüfen.

DOI: 10.1371/journal.ppat.1007464

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