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Apotheker Helfen

Digitale Schulungen und nachhaltige Hilfe in Afrika

Traditionell liegt ein Schwerpunkt der Langzeitprojekte von Apotheker Helfen in Afrika. In der Pandemie konnte die Hilfsorganisation akut und schnell durch Mitarbeit bei Hygienekonzepten und Aufklärungskampagnen helfen, aber auch wichtige langfristige Zukunftsprojekte vorantreiben. »Digital und nachhaltig« heißt das Motto für 2021.
Brigitte M. Gensthaler
29.12.2020  18:00 Uhr

»2021 wollen wir der digitalen Vernetzung in Afrika einen weiteren kräftigen Schub geben«, berichtet Geschäftsführer Dr. Andreas Wiegand  im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Apotheker Helfen (AH) ist seit sieben Jahren Mitglied des Ecumenical Pharmaceutical Network (EPN). Vor zehn Jahren hat EPN einen Grundlagenkurs für pharmazeutisches Fachwissen erarbeitet. Dieser richtet sich an Krankenhauspersonal, das in vielen Ländern des globalen Südens keine Fachausbildung hat. Der Kurs wird seitdem jedes Jahr in anglo- und frankophonen Ländern angeboten und von AH fachlich unterstützt.

»Jetzt arbeiten wir an einem E-Learning-Angebot, um noch mehr Menschen eine Aus- und Weiterbildung zu ermöglichen. 2021 wollen wir mit anderen Netzwerkmitgliedern den Kurs fertigstellen und anbieten«, sagt Wiegand. Der E-Kurs umfasst sechs Module, die ein Grundverständnis legen für Arzneimittel, vor allem für deren Wirkung und Qualität, aber auch Beschaffung, Verteilung, Abgabe und Beratung. Er wird in Englisch und Französisch angeboten, um die meisten Länder südlich der Sahara zu erreichen. AH beteiligt sich an der Finanzierung sowie der inhaltlichen und praktischen Umsetzung.

Infektionsprävention in Sierra Leone

In einem weiteren Schulungsprojekt, das 2020 begonnen und nun fortgesetzt werden soll, geht es um bessere Hygiene in Krankenhäusern in Sierra Leone. »Krankenhausinfektionen sind weltweit gefürchtet und gefährden die erfolgreiche Behandlung der Patienten«, sagt Wiegand, selbst ehemaliger Krankenhausapotheker. Ziel des Projekts ist es, Maßnahmen zur Verbesserung der Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) in fünf Kliniken dauerhaft zu etablieren. »Als Apotheker tragen wir dazu bei, die Hygiene nachhaltig zu verbessern, um die Zahl der Krankenhausinfektionen deutlich zu senken.« 

Im ersten Schritt wurde Personal, das sich am jeweiligen Krankenhaus um die Umsetzung selbst erarbeiteter Hygienerichtlinien und -maßnahmen kümmert, von Experten geschult. Zudem wurden verantwortliche Teams gebildet, die ein Programm zu Bewältigung von Hygieneschwächen definieren und umsetzen. Die federführende Partnerorganisation Christian Health Association of Sierra Leone (CHASL) arbeitet gerade an einer ersten Zwischenüberprüfung des Erreichten. 

In Sierra Leone hilft Apotheker Helfen dabei, die Hygiene in Krankenhäusern zu verbessern. / Foto: Apotheker Helfen
In der Krankenhausapotheke von Bassar, Togo, wird das Arzneilager elektronisch gemanagt. So ist mit einem Mausklick ersichtlich, ob das verordnete  Medikament vorrätig ist.  / Foto: Apotheker Helfen
An der Arzneimittel-Ausgabestelle im Krankenhaus von Bassar, Togo / Foto: Apotheker Helfen e.V.
Foto: David Deen-Swaray/CHASL
Foto: Apotheker Helfen e.V.
Foto: Apotheker Helfen e.V.

Das Ziel, nachhaltig zu wirtschaften, prägt ein Projekt in Togo. »Nachhaltig ist eine Arzneimittelversorgung nur, wenn es gelingt, eine gute Balance zwischen Bedarf, Angebot und Kosten zu finden und zu sichern«, erklärt der AH-Geschäftsführer. Dafür setzt sich das Apotheker-Hilfswerk seit Jahren in der Klinikpartnerschaft zwischen dem Klinikum Nürnberg und dem Krankenhaus Bassar im Norden Togos ein.

Dr. Matthias Horner von der Krankenhausapotheke in Nürnberg und mehrere ehrenamtliche Einsatzkräfte von AH haben bei Projektbesuchen bereits wertvolle Arbeit geleistet. Die Apotheke im Krankenhaus Bassar verfügt über eine computergestützte Lagerverwaltung. Ein nächster Projektschritt ist nun, die Apothekenmitarbeiter weiter zu qualifizieren und die Software so einzusetzen, dass eine gute Arzneimittelversorgung in Bassar fachlich und finanziell gewährleistet ist.

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