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FIP-Webinar
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Die Welt braucht mehr Apotheker

Die Coronavirus-Krise hat den weltweiten Boom der Online-Apotheken befeuert. Über die Vor- und Nachteile für die Offizin-Apotheker haben sich vergangene Woche Experten aus Asien, Europa und Amerika in einem Webinar des Weltapothekerverbands FIP ausgetauscht. Sie sehen die Pharmazeuten in Zukunft unter anderem als Aufklärer rund um den Zugang zu Arzneimitteln im Netz.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 13.04.2021  13:00 Uhr

Am rechtlichen Rahmen hapert es

Der unverantwortliche Umgang mit Mitteln für die Selbstmedikation, Arzneimittel-Fälschungen oder illegale Websites gehören hingegen eindeutig zu den Nachteilen des Online-Geschäfts mit Medikamenten, findet Gharat. Die größte Herausforderung sieht sie darin, Versender im Internet genauso zu kontrollieren wie die Apotheken vor Ort. Bedenken hat Gharat bei den Web-Unternehmen auch, was deren Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten betrifft. In den asiatischen Länder mit niedrigen und mittlerem Einkommensniveau kommt nach Angaben der FIP-Vize-Präsidentin aber noch ein weiteres Problem hinzu: »Offizin-Apotheker haben sich dort noch nicht als Gesundheitsdienstleister und Berater bei der Medikamenteneinnahme etabliert«. Auch pharmazeutische Dienstleitungen anzubieten, sei noch recht unüblich, sagte sie.

Darüber hinaus sind die Anforderungen an eine Good Pharmacy Practice nicht in allen Betrieben erfüllt und auch am rechtlichen Rahmen für Apotheken hapert es demnach oft. Viele Menschen verfügten zudem über eine eher niedrige Gesundheitskompetenz. Kommunikations- und Verständnisprobleme führten daher tendenziell häufiger zu einer falschen Anwendung sowie zu Über- oder Unterdosierungen von Arzneimitteln als in Ländern mit höherem Einkommensniveau, berichtet Gharat.

Noch gravierender in ihren Augen ist es aber, dass OTC-Präparaten oftmals die Beipackzettel oder überhaupt Informationen auf der Packung zur Anwendung des Präparats fehlen. In vielen Ländern existiere außerdem kein System, ärztliche Verordnungen überhaupt zu verifizieren, hebt sie hervor. Missbrauch stehe Tür und Tor offen. Der zunehmende Online-Versand von Arzneimitteln habe schon in vielen der eher einkommensschwächeren Länder Präsenzapotheken kaputt gemacht. Gesetze, die Apotheken im Netz regulieren, gibt es ihren Angaben zufolge jedoch meist nicht. Sie fordert neben strengeren gesetzlichen Regelungen für die Versandapotheken die Entwicklung eines E-Pharmacy-Modells, das künftig die Auslieferung sicherer Arzneimittel garantiert. Ein solches Modell könnte demnach mit zusätzlichen Aufklärungsangeboten rund um die Arzneimitteleinnahme verbunden sein.

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