Michael Kuck (Vorstandsvorsitzender), Staatssekretärin Sonja Optendrenk, Sebastian Retzlaff (Betriebsleiter) und Martin Sondermann (Vertriebsleiter) (v.l.n.r.) sprachen über die Lage der Apotheken. / © Noweda
Noch vor der Sommerpause soll das neue Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) verabschiedet werden. Doch der aktuelle Entwurf ist umstritten. Insbesondere die fehlende Erhöhung des Fixums und die geplante PTA-Vertretungsregelung stoßen auf breite Kritik.
Staatssekretärin Sonja Optendrenk (CDU) aus dem hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege besuchte nun die Noweda in Langgöns bei Gießen, um sich mit Noweda-Chef Michael Kuck über die Situation der Apotheken auszutauschen und sich vor Ort über die Arzneimittellogistik, die eine Belieferung der Apotheken innerhalb weniger Stunden ermöglicht, zu informieren. Das berichtet die Genossenschaft in einer Pressemitteilung. Optendrenk wird aktuell als mögliche nächste Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gehandelt. Der aktuelle Vorsitzende, Josef Hecken, will sein Amt vorzeitig aufgeben.
Optendrenk betonte demnach die Bedeutung wirtschaftlich stabiler Apotheken: »Apotheken stehen für eine niederschwellige und hochwertige Versorgung. Sie sind unverzichtbarer Bestandteil eines wohnortnahen Gesundheitssystems.« Mit Blick auf die Vergütung erklärte sie: »Die wirtschaftliche Stabilität der Apotheken steht und fällt mit einer verlässlichen und auskömmlichen Vergütung. Diese wurde in der Vergangenheit nicht angemessen an die gestiegenen Kosten angepasst. Apotheken brauchen ein gestärktes Fixhonorar.«
»Apotheken müssen dringend entlastet werden. Faire und verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen sind daher zwingend erforderlich. Deshalb brauchen Apotheken nicht zuletzt eine Erhöhung des Fixums«, sagte Michael Kuck nach Angaben der Noweda.
Die Apotheke ist laut Sonja Optendrenk oftmals die erste Anlaufstelle für ratsuchende Menschen. »Nirgendwo sonst erhält man eine kompetente Beratung ohne Termin: persönlich, fachkundig und niederschwellig«, betonte die Staatssekretärin. Apotheken spielen damit eine wichtige Rolle bei der Patientensteuerung, sind wesentlicher Teil der Gesundheitsversorgung und tragen entscheidend zur Arzneimittelsicherheit bei.
»Eine gute und sichere gesundheitliche Versorgung der Bürgerinnen und Bürger – und dazu gehört selbstverständlich auch die Versorgung mit Medikamenten – ist für mich auch eine Frage einer funktionierenden Demokratie«, so Optendrenk.
Michael Kuck betonte zudem, dass Gesundheitsdienstleistungen wie Impfen, Diagnostik sowie die Unterstützung bei der Hilfsmittelversorgung enormen Mehrwert für Patienten schaffen und die Apotheke als zentrales Kernelement der wohnortnahen Gesundheitsversorgung nachhaltig stärken würden. Auch die Online-Verfügbarkeit von Medikamenten wurde diskutiert.
Weiterhin ging es laut Noweda im Gespräch um faire Wettbewerbsbedingungen – sowohl für Apotheken als auch den pharmazeutischen Großhandel. So unterliegt der Großhandel etwa strengen gesetzlichen Anforderungen, etwa für den Transport in Fahrzeugen mit klimatisierten Transportflächen, um die Arzneimittelqualität auch bei hohen Außentemperaturen zu gewährleisten. Für industrielle Arzneimittelversender fehlen entsprechende Kontrollmechanismen, sodass der Versand per Paketdienst in nicht-klimatisierten Transportern erfolgt.
»Apotheken und pharmazeutischer Großhandel leisten deutlich mehr als Versender und Drogerien. Zusätzlich unterliegen sie strengeren Regularien, die sie sowohl finanziell als auch organisatorisch belasten. Diese Ungleichbehandlung muss dringend beendet werden, wenn die wohnortnahe Versorgung – und zwar mit allem, was Patienten brauchen – erhalten werden soll«, so Michael Kuck.