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CAR-T-Zelltherapie
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Die Scharfmacher des Immunsystems rücken vor

2018 wurde die erste CAR-T-Zelltherapie in der EU zugelassen. Aktuell sind es sechs Präparate. Sie werden als letzte Möglichkeit bei austherapierten Krebspatienten mit verschiedenen Lymphomen eingesetzt. Schon bald könnten sie jedoch im Therapiealgorithmus nach vorn rücken. Zudem laufen klinische Studien auch bei soliden Tumoren.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 27.09.2022  12:00 Uhr

Besser wirksam, wenn nicht als letzte Waffe eingesetzt?

Die genauen Indikationen zeigen zum einen, dass sich die Einsatzmöglichkeiten bislang auf Blutkrebserkrankungen beschränken. Zum anderen dürfen sie derzeit nur eingesetzt werden, wenn alle anderen Therapieversuche versagt haben. Dies könnte sich jedoch bald ändern, hofft Baldus. Entsprechende Studien laufen, bei denen die Präparate bereits beim ersten Rezidiv eingesetzt werden. Möglicherweise sind sie dann noch besser wirksam, wenn die Therapie vor einer autologen Stammzelltransplantation kommt.

Der Anteil der Patienten, die dann auf eine CAR-T-Zelltherapie ansprechen, könnte sich erhöhen, das Gesamtüberleben könnte sich bessern und vielen Patienten würde eine Hochdosis-Chemotherapie mit all ihren Nebenwirkungen erspart bleiben.

Die Krankenhausliegedauer könnte sich dadurch sogar verkürzen und andere Medikamente werden eingespart, was die hohen Kosten in Relation setzt, zumal die CAR-T-Zelltherapie nur einmal angewendet werden muss. Der Preis sei auch bereits von ursprünglich 450.000 US-Dollar für Kymriah auf etwa 280.000 Dollar gesunken. Andere Krebstherapien kämen auch monatlich auf einen fünfstelligen Bereich und müssen länger gegeben werden, gab die Onkologin zu bedenken.

CAR-T-Zelltherapie für alle Krebspatienten?

Wird es in Zukunft daher für alle Patienten CAR-T-Zelltherapien geben? Das wiederum konnte Baldus sich noch nicht so recht vorstellen. Zwar werden die CAR-T-Zellen weiter optimiert, auch um das Nebenwirkungsrisiko, vor allem das Zytokin-Freisetzungs-Syndrom und die Neuropathie, zu optimieren. Denkbar sei dann auch eine ambulante CAR-T-Zelltherapie, bei der dann die öffentlichen Apotheken ins Spiel kommen könnten.

Da die Therapien erst seit etwa zehn Jahren eingesetzt werden, fehlt es auch noch an Langzeiterfahrungen zur Remission. Damit das Nutzen-Risiko- (und Kosten-)Verhältnis stimmt, müsse eine langfristige Remission mit Therapiefreiheit (also ohne weitere Medikamente) und damit ein nachhaltiger Benefit für den Patienten erreicht werden.

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