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Leber-Check-up gefordert
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Die Leber mit einfachen Maßnahmen im Blick behalten

Die Leber leidet in der Regel lautlos. Schäden lassen sich theoretisch frühzeitig erkennen und häufig sogar rückgängig machen. Daher fordern Gastroenterologen einen Leber-Check-up.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 02.06.2026  18:00 Uhr

Seit 2021 gehört eine einmalige Testung auf Hepatitis B und C zum »Check-up 35«, einer kostenlosen Vorsorgeuntersuchung, auf die alle GKV-Versicherten ab einem Alter von 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch haben. »Wir können Hepatitis B und C mittlerweile innerhalb von acht Wochen heilen, aber dafür müssen wir wissen, ob es da ist«, erklärte Professor Dr. Heiner Wedemeyer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), am 1. Juni bei deren Jahrespressekonferenz. Auch bei immunvermittelten und genetisch bedingten Lebererkrankungen gebe es Therapierevolutionen, ebenso kommt Bewegung in die Behandlung der Fettleber (medizinisch korrekt MASLD, metabolische Dysfunktion assoziierte steatotische Lebererkrankung).

»Die Leber ist ein zentrales Stoffwechselorgan unseres Körper, als Kraftwerk, Klärwerk, Speicher«, nannte der Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie, Medizinische Hochschule Hannover, nur einige wichtige Aufgaben. Eine Störung wirkt sich auf den ganzen Körper aus – anfangs macht sie sich aber oft kaum bemerkbar. »Die Leber leide stumm«, so Wedemeyer. Gerade hier lohne sich jedoch Prävention, denn Verfettungen, Vernarbungen und Entzündungen, sogar frühe Zirrhosen könnten sich zurückbilden, wenn man sie entdeckt und dagegen vorgeht.

Seit Einführung des Hepatitis-Screenings seien viele bislang unbemerkte Fälle entdeckt worden. »Hier müssen wir noch einen Schritt weitergehen«, forderte Wedemeyer. Der Gesundheits-Check-up sollte künftig zusätzlich eine strukturierte Leberdiagnostik beinhalten. Mit einfachen, bereits verfügbaren Laborparametern könne das Risiko für fortgeschrittene Lebererkrankungen frühzeitig erkannt werden.

FIB-4-Score braucht nicht viel

Konkret ist das der sogenannte FIB-4-Score. Er lässt sich einfach aus Routinedaten berechnen, die in vielen Hausarztpraxen bereits erhoben werden, informierte Wedemeyer. Dafür sind lediglich das Alter des Patienten, die beiden Leberwerte AST und ALT (Aspartat- und Alanin-Aminotransferase) sowie die Thrombozytenzahl nötig, die in eine mathematische Formel eingesetzt werden. Liegt der Score unter 1,3, liegt ein geringes Risiko für eine fortgeschrittene Fibrose vor. Zwischen 1,3 und 2,67 liegt ein Graubereich, bei dem gegebenenfalls eine weiterführende Diagnostik erfolgen sollte. Ein Score über 2,67 deutet auf ein hohes Risiko für fortgeschrittene Fibrose vor.

Das Verfahren sei einfach, kostengünstig und ließe sich in jeder Hausarztpraxis durchführen. »Das hätte einen enormen Nutzen«, ist Wedemeyer überzeugt. Es wäre kein zusätzlicher Aufwand, da diese ohnehin Blut abnimmt und die Meldung über das Labor erfolgen würde. »Internationale Studien und Leitlinien zeigen, dass der FIB-4-Score ein effektives Instrument zur Risikostratifizierung darstellt und sich hervorragend für den Einsatz in der Primärversorgung eignet.« Bisher werden aber beim Check-up 35 weder ein Blutbild noch die Leberwerte bestimmt. 

Einfach Ultraschall-Untersuchung entdeckt Fettleber

Bei auffälligen Screening-Werten sollten die Patienten eine Leber-Elastografie bekommen. Dabei wird die Lebersteifigkeit gemessen. Es handelt es sich um eine nicht invasive, ultraschallbasierte Methode zur frühzeitigen Erkennung von Leberfibrose und -zirrhose. Dabei wird ermittelt, wie schnell sich ein mechanischer Impuls im Lebergewebe ausbreitet – jeschneller desto steifer ist bereits das Gewebe.

Zudem lasse sich schon mit einem einfachen Ultraschall eine Verfettung erkennen und vermessen, bei Fetteinlagerungen erscheint die Leber heller und ist vergrößert Die Untersuchung müsse aber angemessen vergütet werden, damit sie flächendeckend angeboten werden kann.

»Ein Gesundheits-Check-up ohne strukturierte Leberdiagnostik lässt eine der häufigsten chronischen Erkrankungsgruppen unberücksichtigt«, so Wedemeyer. Lebergesundheit müsse zu einem festen Bestandteil der Präventionsstrategien in Deutschland werden. Mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland haben laut DGVS eine Fettleber. Bis zu fünf Millionen Menschen leiden an chronischen Leberentzündungen.

Prävention ist wirksamer und kostengünstiger als Behandlung

Früh erkannt, wären fortgeschrittene Krankheitsbilder wie Leberfibrose, Zirrhose und auch Leberkrebs in vielen Fällen vermeidbar. »Prävention ist deutlich wirksamer und kostengünstiger als die Behandlung fortgeschrittener Erkrankungen«, so die DGVS.

Wedemeyer verwies in diesem Zusammenhang auf einen erst Ende April im Fachjournal »The Lancet« veröffentlichten Report zur Lebergesundheit in Europa. Bei vielen Maßnahmen und Umsetzungsstrategien liege Deutschland hier maximal im Mittelfeld. Generell fordert die DGVS eine »Nationale Dekade für Prävention« mit besserer Vorsorge, gesunden Lebenswelten und gezielten Programmen für Risikogruppen etwa bei Darmkrebs, Hepatitis und Fettleber.

Grundsätzlich gilt: Was allgemein als gesund gilt, hilft auch der Lebergesundheit: ein normales Körpergewicht bei gesunder, ausgewogener Ernährung, viel Bewegung und der Verzicht auf Alkohol und Rauchen.

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