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Onkologie
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Die Krebsdiagnose besser verstehen

Was hat es auf sich mit Typing, Grading und Staging? Wann geht eine Erst- in eine Zweitlinien-Therapie über? Und welches Therapieziel wird überhaupt angestrebt? Begriffe, die man braucht, um eine Krebsdiagnose, Leitlinien und Zulassungen besser zu verstehen, erläuterte Apotheker Jürgen Barth bei einer Fortbildung.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 01.03.2024  16:30 Uhr

Bildgebung, Biopsie und Blutbild

Bei der Diagnostik werden unterschiedliche Methoden wie Röntgen, MRT und CT verwendet. »Dabei kann ein Tumor erst etwa ab Erbsengröße sichtbar gemacht werden«, informierte Barth. Wichtig für die Diagnose sind zudem eine Biopsie, um das Tumorgewebe genauer zu untersuchen, und ein Blutbild, um etwa nach Tumormarkern zu fahnden.

Die sogenannte Liquid Biopsy, bei der Tumor-DNA im Blut bestimmt wird, eignet sich derzeit noch nicht für den Masseneinsatz in der Früherkennung. Sie werde aber schon genutzt zum Monitoring einer Krebserkrankung, zur Anpassung der Therapie bei Resistenzen oder auch zur Früherkennung eines möglichen Rückfalls (Rezidiv), sagte Barth.

Generell seien Tumormarker mit Vorsicht zu interpretieren. So könne etwa der Wert des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) nicht nur bei Prostatakrebs erhöht sein, sondern auch, wenn der Patient mit dem Fahrrad in die Praxis gefahren ist. Es gibt einige Tumormarker mit therapeutischen Konsequenzen, wie die Wachstumsfaktoren EGFR beim Dickdarmkarzinom und HER2 bei Brustkrebs. Hierbei handelt es sich im engeren Sinne um durch Mutationen entstandene Tumorantigene. Diese sind jedoch nicht tumorexklusiv, sondern überexprimiert und/oder (über-)aktiviert.

Wichtig für die Prognose und Auswahl der Therapie ist das Typing, bei dem die Tumorzellen und ihre Eigenschaften genauer beschrieben werden. Dadurch lässt sich oft auch feststellen, was das Ursprungsgewebe ist, ob also beispielsweise ein Herd in der Lunge ein primärer Lungentumor ist oder eine Metastase eines Tumors in einem anderen Organ.

Grading und Staging

Beim Grading wird der Tumor histologisch charakterisiert und mit gesundem Ausgangsgewebe verglichen – der Schweregrad der Erkrankung wird bestimmt. »Dabei gilt: Je entdifferenzierter der Tumor ist, desto höher ist der Grad und umso schwieriger ist die Erkrankung zu therapieren«, erläuterte Barth.

Neben dem Grading wird auch ein Staging vorgenommen. Dabei wird ein bösartiger Tumor basierend auf der anatomischen Ausbreitung in Stadien eingeteilt. Auch das ist wichtig für Prognose und Therapieplanung. Beim Staging werden solide Tumoren nach dem TNM-System klassifiziert. »T bedeutet Tumorgröße, N steht für Node, also Knoten, womit die örtlichen Lymphknoten gemeint sind, und M sind die Fernmetastasen«, erklärte der Referent. Die Zahl hinter dem N gibt jedoch nicht die Zahl der befallenen Lymphknoten an. Das ist tumorspezifisch festgelegt. Beim Mammakarzinom bedeutet N1 beispielsweise ein bis drei befallene Lymphknoten in der Achsel.

Daraus ergeben sich dann Tumorformeln im Arztbrief wie rpT2pN1M0. Das steht für einen rezidiven (r), pathologisch gesicherten (p) T2-Tumor (also ein gewachsener Tumor) mit pathologisch gesichertem (p) Lymphknotenbefall N1 ohne Metastasenbildung (M Null).

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