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Pyrotechnik im Vatikan
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Die Chemie hinter dem weißen und schwarzen Rauch 

Viele Blicke waren diese Woche auf den Schornstein der Sixtinischen Kapelle in Rom gerichtet, um Rauchsignale zu entdecken, die den Ausgang der Papstwahlen angeben. Doch was steckt chemisch hinter diesem symbolträchtigen Moment? Ein Blick auf die Schnittstelle von Glauben, Geschichte und moderner Pyrotechnik.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 08.05.2025  18:00 Uhr

Die chemischen Formeln hinter der Papstwahl

Für die Erzeugung schwarzen Rauchs enthalten diese Oxidationsmittel wie Kaliumnitrat (KNO3), eine Kohlenstoffquelle (zum Beispiel Holzkohle) und Zusatzstoffe, darunter Schwefel (S), Bitumen oder Anthracen für die Rußbildung. Dominant sind hier unverbrannte Kohlenstoffpartikel (Größe: 0,01 bis1 µm) und Schwefelverbindungen, die Licht im sichtbaren Spektrum absorbieren.

Beispielreaktion: 2 KNO3 + C + S → CO2↑ + N2↑ + K2SO4 + Ruß (C)

Für die Erzeugung weißen Rauchs enthalten die Kartuschen ein Oxidationsmittel wie Kaliumchlorat (KClO3) und Lactose (C12H22O11) oder Rohrzucker sowie Kolophonium und eine Chlorid-Quelle wie Polyvinylchlorid (PVC) oder Kochsalz (NaCl). Feine Salzpartikel (NaCl) und Wasserdampf streuen Licht gleichmäßig über alle Wellenlängen (Rayleigh-Streuung bei kleineren Partikeln), was als weiß wahrgenommen wird.

Beispielreaktion: 8 KClO3 + C12H22O11+ (PVC) → 12 CO2↑ + 11 H2O↑ + 8 KCl + (NaCl aus PVC)

Die Rauchfarben beim Konklave basieren auf gezielten chemischen Reaktionen: schwarzer Rauch durch Ruß und Schwefelverbindungen, weißer Rauch durch Salzpartikel und Wasserdampf. Die moderne Technik mit pyrotechnischen Kartuschen gewährleistet Zuverlässigkeit und Präzision – ein Beispiel für angewandte Verbrennungschemie im kulturellen Kontext.

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