Schon mal Lampenfieber vor dem Chefgespräch gehabt? Das ist noch normal und man kann die Angst kontrollieren lernen. / © Adobe Stock/WavebreakMediaMicro
Schon am Vorabend regt sich Unbehagen: Morgen ein Meeting mit dem Vorgesetzten. Morgens bekommt man keinen Bissen runter und hetzt ins Unternehmen, um noch genügend Zeit für eine akribische Vorbereitung zu haben. Beim Treffen selbst erstarrt man. Und traut sich wieder nicht, Nein zu sagen. Oder darum zu bitten, beim anstehenden Innovationsprojekt berücksichtigt zu werden. Aus Angst vor Chefin oder Chef.
Auf lange Sicht kann das dazu führen, dass man übersehen wird und »karrieremäßig unter seinen Möglichkeiten bleibt« – oder über die eigenen Grenzen geht, sich überarbeitet und im schlimmsten Fall im Burn-out landet, sagt Diplom-Psychologin Elke Overdick. Es könne auch passieren, dass Menschen ihre Angst überspielen und der Führungskraft gegenüber unwirsch, laut oder provozierend auftreten. Auch das ist nicht förderlich für die Karriere. Wie kommt man also aus dieser Angst wieder raus?
»Angst vor dem Vorgesetzten zu haben ist grundsätzlich normal«, sagt Beate Muschalla, Professorin und Leiterin der Abteilung Klinische Psychologie an der Technischen Universität Braunschweig. Dazu müsse er nicht einmal »besonders bedrohlich« sein. »Chefs haben allein durch ihre Rolle Bedrohungspotenzial«, so die Verhaltenstherapeutin, die sich viel mit arbeitsbezogenen Ängsten beschäftigt. Das liege in der Natur ihrer Aufgaben: Führungskräfte überwachen, kontrollieren, stellen Forderungen und erteilen Anweisungen – notfalls auch unter Androhung von Sanktionen.
Angst sei eigentlich »eine nützliche, wichtige Emotion«, sagt Elke Overdick. Sie schütze uns davor, Dinge zu tun, die uns in Gefahr bringen oder Dinge zu sagen, die uns negative Konsequenzen bescheren – sodass wir zum Beispiel unsere Chefin nicht anschreien, obwohl wir wütend sind.
Problematisch wird Angst im Job, wenn sie dazu führt, dass man sich nicht mehr traut, also »wenn die Angst so groß wird, dass sie uns blockiert und uns davon abhält, notwendige Dinge zu tun, die uns zu überleben helfen und die uns unseren Zielen näher bringen«, so Overdick. Beispiel: der Führungskraft in Bezug auf die Arbeitsbelastung Grenzen mitzuteilen.