Beate Muschalla sieht einen kritischen Punkt, wenn man Situationen mit dem Chef oder der Chefin vermeidet und dadurch Probleme bekommt, etwa weil man bei der Konferenz zu häufig fehlt, einem Informationen entgehen oder man sich ständig ängstlich absichert und sich deshalb nicht mehr auf die Arbeitsinhalte konzentrieren kann. In dem Fall rät die Psychologin dazu, sich Hilfe zu suchen, entweder im betrieblichen Umfeld oder bei Beratungsstellen. Auch der Arzt oder die Ärztin des Vertrauens können eine Anlaufstelle sein.
Es gibt aber auch Wege, die Furcht vor der Führungskraft zu überwinden. Muschalla zufolge kann es hilfreich sein, »sich einmal grundsätzlich einige Ideen über den Chef zu machen und sich darauf einzustellen, was kommt.« Etwa, indem man sich bewusst macht, dass es gute und schlechte Chefinnen und Chefs gibt. »Man kann mit einem Chef Glück oder Pech haben. In den seltensten Fällen kann man ihn ändern«, so Muschalla. Bewusst machen sollte man sich auch: Vorgesetzte haben selbst wieder Vorgesetzte – und letztlich sind sie auch nur Menschen, mit guten und schlechten Tagen. Nicht zuletzt haben auch sie ihre spezifischen Eigenarten.
Muschalla beschreibt exemplarisch drei Typen: »Der regt sich immer auf, meint es aber nicht so. Der sagt heute das und morgen das, also erst mal abwarten und Tee trinken. Mein Chef ist sachlich. Mit dem kann man reden, und so weiter …«
Auch Elke Overdick plädiert dafür, der eigenen Angst auf den Grund zu gehen. »Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf? Was genau stelle ich mir Negatives vor, das passieren könnte?«, so die Coachin. Sind meine Gedanken hilfreich? Sind meine Gedanken realistisch? Was hilfreich ist: Die eigenen Angstgedanken gemeinsam mit anderen überprüfen.
Auch Selbstwert und Selbstwirksamkeit spielen der Psychologin zufolge eine große Rolle: »Menschen, die mit den Hierarchie-Stufen auch Wertigkeiten der Menschen verbinden, sehen sich als weniger wert als Führungskräfte.« Das sei ein Nährboden für Angst. Wer aber die Erfahrung macht, dass Führungskräfte kommunizierte Grenzen respektieren und beachten, also Selbstwirksamkeit erlebt, hat künftig weniger Angst und sieht sich gestärkt, sich weiter offen mitzuteilen.