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Symposium
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Deutschland zur Biosimilars-Apotheke der Welt machen

Beim heutigen Biosimilars-Symposium, organisiert vom Verband Pro Generika, wurde über die Erstattung von Biosimilars debattiert. Alle Beteiligten waren sich einig, dass Biosimilars in Zukunft eine große Rolle spielen werden und dass Exklusivverträge vermieden werden sollten.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 15.10.2026  13:10 Uhr

Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) wurde ein zweijähriges Verbot exklusiver Rabattverträge für Biosimilars beschlossen. Genau darüber wurde beim Panel »Das biologische Jahrzehnt: Was kommt auf uns zu?« diskutiert.

Martin Spatz vom Pharmaunternehmen Stada betonte, dass durch die Verfügbarkeit von Biosimilars Therapien demokratisiert würden und sie von mehr Menschen verwendet werden könnten. Der Wettbewerb würde Therapien besser und nicht billiger machen, so sein Fazit mit Blick auf mögliche exklusive Ausschreibungen für Biosimilars, die er ablehnt. Momentan gebe es »eine Atempause«, doch Unternehmen müssten planen können. Wenn Unternehmen nicht wüssten, ob sie Biosimilars auf dem deutschen Markt vermarkten können, würden sie es sich zweimal überlegen, ob sie diese produzieren möchten oder nicht. Er wünscht sich, dass Deutschland zur Biosimilars-Apotheke der Welt wird.

Stephan Pilsinger (CSU) ist »fest davon überzeugt«, dass die Zukunft bei Biologika und Biosimilars liegt, und warnte davor, dass durch zu starke Einsparungen bei der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) neue Innovationen möglicherweise nicht mehr auf den deutschen Markt kommen würden. Bei der Erstattung von Biosimilars müsse eine Lösung gefunden werden, da ansonsten wieder Rabattverträge eingeführt werden könnten. Die Politik müsse die Rahmenbedingungen genauer betrachten, um exklusive Verträge zu vermeiden. Er warnte jedoch auch davor, echte Innovationen von Bequemlichkeiten zu unterscheiden. Als Beispiel nannte er die Abnehmspritze, die es seit Kurzem auch als Tablette gibt.

Markus Hoch, Senior-Projektleiter des Forschungsinstituts Prognos AG, teilte mit, dass Biosimilars die GKV-Finanzen nicht heilen können. Dennoch seien sie ein Komponent. Mit vielen kleinen Dingen könne man etwas bewegen. Er warnte auch davor, den Faktor »Zeit« gerade bei komplexen Innovationen nicht aus den Augen zu verlieren, da die Pharmaindustrie Planbarkeit benötige.

Bei Biosimilars nicht erpressbar von anderen Ländern werden

Beim Panel »Das biologische Jahrzehnt: Welche Hebel setzen wir an?« wurde das Thema weiter vertieft. Thomas Müller, Abteilungsleiter für Arzneimittel im Bundesgesundheitsministerium (BMG), ist der Meinung, dass die Regierung im Pharmadialog eine Lösung für die Preiserstattung finden wird. Es werde künftig großen Bedarf an Biosimilars geben, etwa aus China oder Brasilien. Er glaubt, dass es Situationen gibt, in denen auch ein exklusiver Vertrag eine gute Lösung sein könnte. Ob die Regierung den Erstattungspreis im Gesetz regeln wird oder die Entscheidung den Krankenkassen überlässt, muss politisch noch beraten werden. Die Politik solle einen regulierten Rahmen festlegen, der Resilienz berücksichtigt, aber keine Preise vorgeben.

Christopher Kirsch, Vorsitzender der AG Pro Biosimilars und Head of Market Access bei Sandoz Germany, warnte davor, die Wirtschaftlichkeit der Krankenkassen um jeden Preis zu gewährleisten. Dies würde dem Standort Deutschland schaden. Deutschland dürfe nicht erpressbar werden, was Biosimilars angehe, so wie es aktuell bei Generika der Fall sei. Ein zu niedriger Preis würde die Versorgungssicherheit mit Arzneimitteln gefährden. 

Müller betonte, dass Generika nur deshalb so günstig seien, weil es einen globalen Wettbewerb gebe. Wichtig sei es, zu diversifizieren. Es sei unrealistisch zu glauben, dass alles in Deutschland produziert werden könne. Er blickt nicht pessimistisch auf das Generika-Modell. Daraufhin antwortete Christopher Kirsch, dass der Fußabdruck in Europa erhalten bleiben solle. »Das, was wir in Europa in der Produktion noch halten können«, sollte auch erhalten bleiben. 

Laut André Breddemann, Leiter des Bereichs Arzneimittel der Krankenkasse Barmer, haben Exklusivverträge positive Effekte für die Versicherten und gewährleisten eine kontinuierliche Arzneimittelversorgung.

Bis zu 38,3 Milliarden Euro Einsparungen mit Biosimilars

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Markus Hoch eine Szenarioanalyse seines Forschungsinstituts zu den Arzneimittelausgaben und den damit verbundenen Einsparpotenzialen vor. Demnach werden Biologika zu einem zentralen Kostentreiber der GKV, während Biosimilars zu Einsparungen führen können. Laut Prognos ließen sich je nach Szenario zwischen 0,3 und 3,8 Milliarden Euro jährlich bei der GKV mit Biosimilars einsparen. Die kumulierten Einsparungen sollen bei bis zu 38,3 Milliarden Euro liegen. Unter kumulierten Einsparungen versteht man die Gesamtsumme aller gesparten Beträge über einen bestimmten Zeitraum hinweg.

Entsprechend könnte der Beitragssatz im Jahr 2035 um bis zu 0,28 Prozentpunkte geringer ausfallen. Eine vierköpfige Familie könnte somit zwischen 8 und 112 Euro pro Jahr einsparen. Das Einsparpotenzial werde durch vier Parameter bestimmt: Marksverfügbarkeit, Marktdurchdringung, Preiserffekt durch Wettbewerb und Markteintrittsverzögerungen.

Hoch kommt zu dem Fazit, dass die Vermeidung von Biosimilar-Lücken eine gesundheitspolitische Gestaltungsaufgabe sei. Auch nachhaltiger Wettbewerb sei von Vorteil. Dieser würde mehr schaffen als nur Kosteneinsparungen. Er würde für Versorgungssicherheit und Marktstabilität sorgen.

Zu Beginn der Veranstaltung hielt Christopher Kirsch eine Rede. Er plädierte dafür, eine nationale Pharmastrategie zu entwickeln. Auch auf EU-Ebene gebe es viel Bewegung in Richtung Arzneimittelsicherheit, etwa mit dem Critical Medicines Act (CMA). Angesichts der aktuellen geopolitischen Krisen sei die Arzneimittelversorgung wichtiger denn je. Eine unabhängige und zukunftssichere Arzneimittelversorgung werde zum Sicherheitsbedürfnis. »Es braucht eine gesamthafte und nachhaltige Biosimilars-Strategie, die Anreize für Wettbewerb setzt.«

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