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Corona-Effekt?
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Deutlich mehr Fälle verfrühter Pubertät

Die Pubertät trifft Kinder heutzutage deutlich früher als noch vor Jahrzehnten. In der Pandemie stieg die Zahl verfrüht Pubertierender noch einmal deutlich. Woran das liegt, ist unklar. Und auch, ob der Effekt wieder verschwindet.
AutorKontaktdpa
Datum 21.02.2024  11:36 Uhr

Über eine im Mittel immer früher einsetzende Pubertät berichten Mediziner schon seit einigen Jahrzehnten. Die Corona-Pandemie hat diesen Effekt noch deutlich verstärkt. »Es wurden 20 bis 30 Prozent mehr Fälle verfrühter Pubertät erfasst«, sagt Professor Dr. Bettina Gohlke von der Universitätskinderklinik Bonn. Das Phänomen sei weltweit aufgefallen, entsprechende Daten gebe es aus Europa ebenso wie aus den USA und China.

Als verfrühte Pubertät – Pubertas praecox genannt – wird die Entwicklung äußerer Sexualmerkmale bei Jungen vor dem vollendeten 9. und bei Mädchen vor dem vollendeten 8. Lebensjahr bezeichnet. Bei den Mädchen entwickelt sich dann unter anderem die Brust – eine Vermutung zum Corona-Effekt war darum, dass die frühere Entwicklung den Eltern eher auffiel, weil sie im Zuge von Schulschließungen und Homeoffice mehr Zeit mit ihren Kindern verbrachten.

Möglich sei auch ein Zusammenhang mit höherer psychosozialer Belastung, erklärt Kinderendokrinologin Gohlke. Frühere Studien hätten ergeben, dass Kinder in solchen Situationen körperlich früher reifen. Diskutiert werde zudem ein Gewichtseffekt: Viele Kinder aßen in der Pandemie mehr beziehungsweise bewegten sich merklich weniger – und Übergewicht gilt als einer der wichtigsten Faktoren für eine früh einsetzende Pubertät.

»Aber auch, wenn das Gewicht herausgerechnet wurde, blieb ein Plus an Fällen von Pubertas praecox«, sagt Gohlke. »Vermutlich handelt es sich um einen multifaktoriellen Effekt.« Unklar sei bisher, ob er sich mit dem Abklingen der Pandemie wieder verflüchtige.

Biologisch setzt die Pubertät mit der vermehrten Produktion von Geschlechtshormonen ein, wie der Münchner Endokrinologe Professor Dr. Günter Stalla erklärt. Bei Jungen vergrößern sich demnach in der Folge Hoden und Hodensack, gefolgt von einer Verlängerung des Penis. Scham- und Achselhaare wachsen. Bei Mädchen entwickeln sich die Brüste, kurz darauf beginnt die Scham- und Achselbehaarung zu wachsen, Jahre später folgt die erste Regelblutung.

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