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Impfen in der Apotheke
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»Der Prozess muss sitzen«

Wer mit dem Impfen anfangen will, braucht nicht nur die entsprechende Fortbildung, sondern auch einen gut durchdachten Prozess, der das gesamte Apothekenteam einbindet.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 13.03.2026  16:20 Uhr

Jeder im Team weiß Bescheid

»Damit das funktioniert, muss der Prozess komplett durchstrukturiert sein und alle im Team müssen Bescheid wissen und sich beteiligen«, erklärt Krude. Essenziell ist ein Terminbuchungstool, in dem die Apotheke ihre möglichen Slots freischaltet. Eine Liege ist übrigens nicht vorgeschrieben. Sie wäre nur dann Pflicht, wenn ein Patient im Anamnesegespräch angibt, dass er schon einmal bei einer Impfung ohnmächtig geworden sei. In diesem Fall kann die Apotheke den Patienten an eine andere Impfstelle verweisen.

Betritt jemand mit Impftermin die Alte Apotheke 1691 in Bochum, sieht das Procedere wie folgt aus: Der nächste freie Mitarbeitende hinter dem HV begrüßt die Person und bedankt sich, dass sie sich für die Impfung in der Apotheke entschieden habe. Es wird gefragt, welche Impfung gewünscht sei und ob die andere auch infrage komme. Die GKV-Karte wird eingelesen beziehungsweise bei Privatversicherten werden die Daten aufgenommen. »Oft stellen wir fest, dass noch ein E-Rezept vorliegt, was dann gleich eingelöst werden kann«, erzählt Krude.

STIKO-Indikation und Gegenanzeigen klären

Dann wird der Impfling mit dem Anamnesebogen in den Beratungsraum geschickt. Die impfende Apothekerin klärt ab, ob die Impfung gemäß STIKO-Empfehlung möglich ist und ob keine Kontraindikation vorliegt. Dann erfolgen das Aufklärungsgespräch und die eigentliche Impfung. Dafür hält der Leitfaden ein Fließdiagramm mit Schritt-für-Schritt-Anleitung bereit.

Abschließend wird alles im Impfpass und der Patientenakte dokumentiert, die Impfung an die Gedisa gemeldet und elektronisch mit der GKV abgerechnet. Privatversicherte müssen derzeit noch selbst zahlen und erhalten einen entsprechenden Beleg.

»Durch die Skalierung lohnt es sich auch wirtschaftlich«

Es brauche ein bisschen Übung, aber mittlerweile komme ihr Team gut mit den vorgesehenen 15 Minuten hin. »Durch die Skalierung lohnt es sich auch wirtschaftlich«, so Krude. »Da die Leute freiwillig und aktiv zu uns kommen, müssen wir sie nicht mehr überzeugen wie vielleicht in der Arztpraxis, was Zeit erspart. Wir könnten auch doppelt so viele impfen, wenn wir die räumlichen Kapazitäten hätten.«

Werbung habe sie kaum gemacht bis auf einen Hinweis im Schaufenster und ein paar Social-Media-Posts. »Es hat sich mittlerweile herumgesprochen in Bochum, dass man sich bei uns impfen lassen kann. Viele, die zu uns kommen, haben keinen Hausarzt oder bekommen keinen Termin. Bei uns können sie online buchen. Das empfinden alle als schnell und unkompliziert.«

Krude bedauert, dass bislang nur eine weitere Apotheke in der 375.000-Einwohner-Stadt ebenfalls impft. Als Kreisvertrauensapothekerin will sie mehr Apotheken überzeugen und stellt dafür auch gern ihre Prozesse zur Verfügung. »Meine Nachbarapotheke fängt jetzt auch an zu impfen und ein weiterer Kollege aus Bochum ist ebenfalls dran – es geht langsam aufwärts. Ich freue mich sehr, dass ich andere motivieren kann, auch zu impfen.«

Der Bedarf sei riesig und die Patienten dankbar. Konflikte mit den Ärzten gebe es keine. Krude war während der Corona-Pandemie pharmazeutische Leiterin des Bochumer Impfzentrums. Daher seien der Zusammenhalt und die Vernetzung sehr gut.

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