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Kritik an Warkens Honorar-Plänen
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Der längst erbrachte Sparbeitrag

Im Rahmen ihrer Sparpläne will Bundesgesundheitsministerin Nina Warken auch den Kassenabschlag für Apotheken erhöhen. Weil damit die zugesagte Honorarerhöhung gleich wieder einkassiert zu werden droht, protestieren mehrere Apothekerorganisationen gegen die Pläne.
AutorAlexander Müller
Datum 15.04.2026  16:16 Uhr

Als »Augenwischerei« bezeichnete Jens Dobbert, Präsident der Landesapothekerkammer Brandenburg, die geplante Honorarerhöhung gekoppelt mit der Erhöhung des Kassenabschlags. »Ein solcher Taschenspielertrick ist keine Honoraranpassung und wird weitere Orte ohne Apotheke hervorbringen, was nicht nur Auswirkungen auf die Arzneimittelversorgung, sondern auch auf die Unterstützung im Rahmen des Finanzausgleichs hat.«

Allein bei einer Anpassung analog zur Grundlohnrate seit 2013 würde das Honorar heute bei 12,64 Euro liegen. Damit hätten die Apotheken »einen unfreiwilligen Sparbeitrag von 15,9 Milliarden Euro« erbracht – »mehr als die aktuellen Sparvorgaben an die Finanzkommission«, so Dobbert. Der Kassenabschlag habe die Betriebe im Zeitraum von 2013 bis 2026 mit weiteren 13,2 Milliarden Euro belastet.

Unverständlich findet Brandenburgs Kammerpräsident auch, dass für die Verwaltung der Kassen keine Einsparvorschläge vorlägen, während die Leistungserbringer weiter belastet werden sollte. Die im Koalitionsvertrag zugesicherte Honorarerhöhung müsse jetzt »ohne Tricks und ohne weitere Verzögerung umgesetzt werden«, fordert die brandenburgische Apothekerschaft.

Weitere Wege für Patientinnen und Patienten

Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes, bezieht sich in seinem Statement auf eine Aussage Warkens. Die Ministerin hatte bei der Vorstellung ihrer Pläne angekündigt, dass »die Apotheken von der Maßgabe, dass alle Bereiche in die Maßnahmen mit einbezogen werden, nicht ausgenommen werden sollen«.

Saar dazu: »Hier überholt die Realität die Satire! Die Politik weigert sich seit Jahren, das Apothekenhonorar zu erhöhen. Wir haben im Saarland mittlerweile 30 Prozent aller Apotheken verloren.« Die Gehälter lägen teilweise nur knapp über dem Mindestlohn. »Und jetzt soll die im Koalitionsvertrag versprochene Anhebung des Apothekenhonorars auf anderer Ebene wieder einkassiert werden?«, fragt Saar. Einzige Folge wären weitere Apothekenschließungen und weitere Wege für die Patientinnen und Patienten zur nächsten Apotheke.

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