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Reinfarkt-Prophylaxe
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Der Einsatz von Betablockern könnte überholt sein

Betablocker sind seit den 1980er-Jahren Bestandteil der evidenzbasierten Reinfarkt-Prophylaxe für Patienten nach einem Herzinfarkt. Neue Daten stellen den Nutzen jedoch infrage.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 19.11.2025  14:00 Uhr
Der Einsatz von Betablockern könnte überholt sein

Nach einem Herzinfarkt stellen Betablocker typischerweise einen Teil der Reinfarkt-Prophylaxe dar. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass in den 1980er-Jahren und früher Herzinfarkte häufig mit einer Vernarbung des Herzgewebes und in Folge herabgesetzter Pumpleistung einherging. Zum Schutz vor einer Überlastung des Herzmuskels wurden Betablocker eingesetzt. Die Evidenz wurde in randomisierten Studien belegt. Demnach sank die Sterblichkeit um 20 Prozent.

Allerdings war damals die Situation eine andere. Es gab keine perkutane koronare Intervention (PCI) mit Herzkatheter und Stent, auch Statine und ACE-Hemmer oder gar Sartane waren noch nicht in Sicht.

Heutzutage erfolgt bei schwerem Infarkt in der Klinik direkt eine PCI. Stents normalisieren die Durchblutung der Koronararterien. Zugleich erfolgt eine Pharmakotherapie mit Prognose-verbessernden Medikamenten wie ASS, ACE-Hemmern oder Sartanen sowie Statinen, um das Fortschreiten von Koronarsklerosen zu bremsen. Dies wirft die Frage auf, ob der Einsatz von Betablockern nach Herzinfarkt überhaupt noch zeitgemäß ist.

Neue Metaanalyse überprüft Nutzen von Betablockern

Vor dem Hintergrund der modernen Therapiemöglichkeiten wurde von 2017 bis 2023 in Schweden, Estland und Neuseeland die REDUCE-AMI-Studie durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten, dass eine zusätzliche Behandlung mit Metoprolol oder Bisoprolol das Auftreten von Herzinfarkten oder Todesfällen nicht gesenkt und somit keinen Zusatznutzen hat. Die Ergebnisse wurden 2024 im »New England Journal of Medicine« veröffentlicht.

Eine Metaanalyse von Studien der letzten Jahre zu dieser Fragestellung bestätigte dies. In die Analyse wurden die oben genannte REDUCE-AMI-Studie (4967 Teilnehmer), sowie die REBOOT- (7459 Teilnehmer), BETAMI- (2441 Teilnehmer), DANBLOCK- (2277 Teilnehmer) und Capital-RCT-Studie (657 Teilnehmer) eingeschlossen.

Insgesamt konnte das Team der »Trialists’ Collaboration Study Group« um Anna Meta Dyrvig Kristensen vom Universitätsklinikum Kopenhagen die Rohdaten von 17.801 Teilnehmern auswerten. 8831 Teilnehmer erhielten Betablocker in der Reinfarktprophylaxe, 8970 nicht. Die Ergebnisse wurden kürzlich im »New England Journal of Medicine« veröffentlicht.

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