| Cornelia Dölger |
| 14.09.2026 12:50 Uhr |
»Arzneimittelversorgung braucht faire Regeln«, fordert Phagro-Chef Marcus Freitag. / © Phoenix Pharmahandel
Die Versorgungsstrukturen durch Apotheken und den Pharma-Großhandel müssten »dringender denn je vor unfairem Wettbewerb geschützt werden«, fordert der Phagro kurz vor dem bevorstehenden Apothekertag in München. Adressiert ist diese Forderung an den erst vor Kurzem angetretenen Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU), der in München für ein Grußwort an die Apothekerschaft erwartet wird.
»Verlässliche Rahmenbedingungen und faire Spielregeln in der Arzneimittelversorgung« verspreche man sich vom neuen Bundesminister, so der Phagro-Vorsitzende Marcus Freitag in einer Mitteilung. Die Rolle des Großhandels gelte es zu stützen, Arzneimittel-Vollversorgung müsse »wieder wirtschaftlich möglich« sein. Denn »derzeit verdienen wir mit 65 Prozent der rezeptpflichtigen Arzneimittel kein Geld mehr«, klagte der Verbandsvorsitzende.
Anders als der Großhandel werden EU-Versender beim Arzneimitteltransport nicht kontrolliert – und auch mit der Apothekenreform wird sich das nicht ändern, auch wenn das Bundesgesundheitsministerium einen Anlauf unternommen hatte, erstmals auch die Logistiker der Versender zur Einhaltung der Temperaturvorgaben zu verpflichten. Das ging der EU-Kommission aber zu weit, woraufhin das BMG zurückruderte.
»Großhandel und Apotheken tragen Kosten, die sich ausländische Mitbewerber sparen«, erklärt Freitag dazu. Pläne, im Rahmen der Apothekenreform eine rechtliche Grundlage für die behördliche Kontrolle des grenzüberschreitenden Arzneimittelversands einzuführen, seien nicht umgesetzt worden. »Darum muss sich der Minister mit Nachdruck kümmern«, fordert Freitag.
Wie die Apotheken hat der Großhandel auch die neueste Masche der Versender auf dem Schirm, Kundinnen und Kunden mit dem Erlass der gesetzlichen Zuzahlung zu ködern. Die Dringlichkeit nimmt mit der mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz festgelegten Verdopplung der Patientenzuzahlung zu. Freitag warnte, dass die Erhöhung sich »geradezu als Turbo für die Versender« zu erweisen drohe. »Diese Praxis zu beenden, ist Aufgabe der Bundesregierung, nicht der Selbstverwaltung.«
»Einfach mal machen« sei das bekannte Credo des neuen Ministers – beim fairen Wettbewerb nehme man ihn beim Wort, kündigte Freitag an. Zur Eröffnung der Expopharm am morgigen Dienstag wird es bei einer Podiumsdiskussion auch um eine sichere Arzneimittel-Lieferkette gehen.