»Die Versorgung von Krebspatientinnen und Krebspatienten ist extrem sensibel, sie braucht kurze Wege und eingespielte Strukturen« – der DAV-Vorsitzende Hans-Peter Hubmann kritisiert die geplante Wiedereinführung von Zytostatika-Ausschreibungen. / © DAV/Ansgar Schwarz
Der DAV übt scharfe Kritik an den geplanten Zyto-Verträgen. Die Rückkehr zu Ausschreibungen bei Zytostatika und Hilfsmitteln, mit denen weitere Einsparungen bei der GKV erzielt werden sollen, berge erhebliche Risiken für die Patientenversorgung, lässt der Verband wissen. Die diskutierten Regelungen waren bereits 2016 und 2017 in Kraft und sollen per Änderungsantrag zum Notfallreformgesetz wieder eingeführt werden.
»Die Versorgung von Krebspatientinnen und Krebspatienten ist extrem sensibel, sie braucht kurze Wege und eingespielte Strukturen«, warnt der DAV-Vorsitzende Hans-Peter Hubmann. »Die enge Zusammenarbeit von behandelnder Arztpraxis, herstellender Apotheke und Patientinnen und Patienten vor Ort ist ein wesentlicher Faktor für eine sichere und hochwertige Versorgung. Ausschreibungen würden diese bewährten Versorgungsstrukturen zerstören und die wohnortnahe Betreuung der Patientinnen und Patienten schwächen.«
Hubmann verweist zudem auf das Risiko einer zunehmenden Marktkonzentration. So könnten Ausschreibungen dazu führen, dass sich die Versorgung mit Zytostatika auf wenige Anbieter konzentriert. Dies würde den Druck auf spezialisierte Apotheken erhöhen und könnte langfristig die wohnortnahe Versorgung von Patientinnen und Patienten beeinträchtigen.
Im Übrigen brächten sie keinen wirtschaftlichen Nutzen. Nach einem Schiedsspruch vom 9. September 2026 gelten ab dem 1. Oktober neue Preise in der Hilfstaxe. Da die dabei erzielten Herstellerrabatte an die Krankenkassen weitergegeben würden, würden nach vorläufigen Berechnungen bereits Einsparungen von rund 160 Millionen Euro jährlich erwartet. Aus Sicht des DAV leisten die Apotheken damit schon einen erheblichen Beitrag zur Stabilisierung der GKV-Finanzen. Zusätzliche Ausschreibungen würden demnach kaum weiteres Einsparpotenzial erschließen, könnten aber die Patientenversorgung erheblich beeinträchtigen.
Auch dass mit den neuen Plänen Ausschreibungen von Hilfsmitteln wieder möglich sein sollen, kritisiert der DAV. Hubmann unterstrich, dass auch bei Hilfsmitteln eine individuelle Beratung und bedarfsgerechte Versorgung entscheidend seien. Eine stärkere Ausrichtung auf den niedrigsten Preis bei der Vergabe von Versorgungsaufträgen berge die Gefahr, dass die Qualität der Versorgung darunter leidet.