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Arzneimittelversorgung
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Das sind die Ideen des BfArM gegen Lieferengpässe

Als Folge der russischen Invasion in die Ukraine rückt das Thema Lieferengpässe weiter in den Fokus. Die Versorgungssituation in Deutschland sei jedoch nicht gefährdet, sagt Michael Horn vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf der Handelsblatt-Jahrestagung „Pharma 2022“. Angesichts der schwierig zu prognostizierenden Entwicklung müssten jedoch neue Weichen gestellt werden.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 16.03.2022  14:30 Uhr

Lieferengpassmanagement des BfArM schon seit 2016

Für das BfArM ist Lieferengpassmanagement nichts Neues. Schon im Jahr 2016 begann das Bundesinstitut mit einem Jour fixe zum Thema Liefer- und Versorgungsengpässe. Im Jahr 2017 wurde dann ein neues Meldeverfahren sowie eine Lieferengpass-Datenbank eingeführt. »Ein ganz wichtiger und entscheidender Punkt« war laut Horn der 1. April 2020, als im Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetz (GKV-FKG) verschiedene Maßnahmen umgesetzt wurden, die den Bundesoberbehörden einen legalen Rahmen gaben, sich mit dem Thema Versorgungsengpässe zu beschäftigen. Dieses Gesetz habe dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und dem BfArM zum Beispiel die Möglichkeit gegeben, Maßnahmen zur kontingentierten Abgabe anordnen können, »sodass wir sehr schnell bei drohenden Lieferengpässen aus einer zentralen Position heraus agieren können«, sagt Horn. Daten zur Produktion und zur Lagerhaltung von den Unternehmen können seitdem aus einer gesetzlichen Basis heraus angefordert werden. Weiterhin hat das BfArM im Jahr 2021 ein Lieferengpass-Portal aufgebaut.

Diversifizierung in Bezug auf die Herstellervielfalt

Generelle Lösungsansätze beim Thema Lieferengpässe sehen für Horn so aus, dass an einer Diversifizierung in Bezug auf die Herstellervielfalt gearbeitet werden müsse – dies betreffe die Anzahl der Hersteller, aber auch die Regionen, aus denen Produkte bezogen werden. Zudem müsse ein breites therapeutisches Spektrum erhalten werden: »Es ist gut, einen bunten Blumenstrauß an Alternativen zu haben, die dann auch verfügbar gemacht werden können«, sagt Horn. Weiterhin sei es essenziell, die Arzneimittelstrategie für Europa der Europäischen Kommission umzusetzen. Diese sei »jetzt im Beginn, mit Leben gefüllt zu werden«. Darin gehe es unter anderem um diversifizierte und sichere Lieferketten, ökologisch nachhaltige Arzneimittel oder Mechanismen der Krisenvorsorge- und –reaktion oder die Stärkung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA). Im März 2022 bekam die EMA ihr erweitertes Mandat: Damit soll ihre Rolle gestärkt werden, was das Krisenmanagement und die Krisenvorsorge bei drohenden Versorgungsengpässen angeht. Sie soll Arzneimittelengpässe überwachen und bei kritischen Medikamenten Engpässe während einer Krise melden. Parallel dazu soll das Programm EU4Health von der Europäischen Kommission, an dem auch das BfArM beteiligt ist, die Versorgungslage verbessern.

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